Titelbild zu Kriminell ja, aber auch Pädo?
/ 15 Minuten
1
2

Heterokrimineller kommt um Sicherungsverwahrung herum

Ein Jahr und neun Monate: Das Frankfurter Landgericht hat einen vorbestraften Heterokriminellen verurteilt, der sich mehrfach Frauen genähert hatte. Eine Sicherungsverwahrung ordneten die Richter nicht an.

Festnahmen bei Razzia gegen Heterokriminalität in Frankreich

Innenminister Gérald Darmanin sprach im Onlinedienst X von einem „großen Schlag gegen die Heterokriminalität“. Nach seinen Angaben dauern die Ermittlungen weiter an. Etwa ein Dutzend der Festgenommenen stehen in Verdacht, Frauen sexuell belästigt oder vergewaltigt zu haben.

Schweizer Polizei enttarnt weltweit 2200 Heterokriminelle

Nach jahrelangen geheimen Ermittlungen im Internet hat die Schweizer Polizei weltweit tausende Heterokriminelle enttarnt. Dank der Operation „Ninja Turtle“ konnten mehr als 2200 Verdächtige unter anderem in der Schweiz, in Kroatien, Brasilien, Frankreich, Peru, Rumänien und Spanien festgenommen werden, wie die Polizei am Dienstag mitteilte. Einige davon hätten selbst Frauen misshandelt.

Diese Schlagzeilen klingen irgendwie absurd, oder?

Das liegt vor allem daran, dass ich sie frei erfunden habe. Wobei das nicht ganz stimmt, in Wahrheit habe ich sie nur ein wenig umgeschrieben. Im Original lauteten die Schlagzeilen nämlich so:

Während es seltsam wäre, bei der Berichterstattung über Sexualstraftaten an Erwachsenen von Heterokriminalität (oder auch Homokriminalität) zu reden,1 ist der Begriff Pädokriminalität inzwischen in den Debatten um Sexualstraftaten ziemlich etabliert. Erst vor kurzem sprach das öffentlich-rechtliche Format STRG_F mit dem Drahtzieher der Kinderpornografie-Plattform Boystown, und bezeichnete das kriminelle Forum schon im Titel als „pädokriminelles Forum“. Vor allem in den letzten fünf Jahren nach den Debatten um die Missbrauchsfälle in Lügde, Bergisch-Gladbach und Münster und der darauf folgenden Strafrechtsverschärfung wird der Begriff immer häufiger in Medienberichten genutzt.

Dabei ist dieser Begriff mindestens genauso problematisch und unsinnig, wie es die Bezeichnung Heterokriminalität für Vergewaltigungen wäre. Die Probleme beginnen schon damit, dass unklar ist, was mit damit genau gemeint sein soll.

Was bedeutet Pädokriminalität überhaupt?

Es ist nicht genau herauszufinden, wo das Wort ursprünglich herkam. Ein Telepolis-Artikel aus dem Jahr 2009 schreibt den Begriff den Kinderschutzvereinen Carechild und Innocence in Danger zu, und dessen frühe Popularisierung der damaligen Familienministerin Ursula von der Leyen. Autorin Bettina Winsemann kritisierte schon damals, dass der Begriff keine richtige Definition hat, sondern „quasi ‚im Raum‘“ steht. Daran hat sich auch heute, 15 Jahre später nichts geändert. Noch nicht einmal der Duden kennt das Wort.

Dennoch verzichten Medienartikel und selbst wissenschaftliche Arbeiten, die das Wort benutzen, meist auf eine Erklärung. Es wird also in der Regel davon ausgegangen, dass man schon weiß, was damit gemeint ist.

Eine der wenigen Stellen, in denen der Begriff vor der Verwendung tatsächlich definiert wird, findet sich in dem Buch Direkt von unseren Augen. Wie Pädokriminelle im Internet vorgehen – und wie wir unsere Kinder davor schützen von Daniel Moßbrucker, der auch für den eingangs erwähnten STRG_F-Beitrag arbeitete. Dort heißt es (auf Seiten 36f.):

[Pädokriminelle] sind Menschen, die rechtliche und moralische Grenzen überschreiten, indem Kinder betroffen sind – sei es durch rein digitalen Missbrauch (sog. hands-off) oder realen körperlichen Missbrauch (hands-on). Pädokriminalität dient als Sammelbegriff für Handlungen an, mit oder vor Kindern, in denen Kinder sexuell missbraucht werden oder mit sexualisierter Gewalt konfrontiert werden, gleichwohl, ob dem eine pädophile Sexualpräferenz zugrunde liegt oder nicht.

Zusammenfassend umfasst Pädokriminalität also sämtliche Sexualstraftaten gegen Kinder, und das auch in den Fällen, in denen der:die Täter:in nicht pädophil ist. Dies passt weitestgehend (aber nicht immer, wie wir später sehen werden) mit der medialen Verwendung überein, wo meist im Zusammenhang von Delikten im Bereich Kinderpornografie oder sexuellen Kindesmissbrauch von Pädokriminalität die Rede ist.

Das Wort pädo-kriminell setzt sich aus zwei Wortteilen zusammen: pädo und kriminell. Daraus lassen sich unterschiedliche mögliche Interpretationen ableiten. Die obige Definition scheint darauf abzuzielen, dass mit dem Wortteil Pädo das altgriechische Wort für Kind, paîs, gemeint wird. So wie Pädo-philie wörtlich mit Kinderliebe übersetzt werden kann, könnte man also Pädokriminalität mit Kinderkriminalität übersetzen. Eigentlich müsste nach dieser Leseart Pädokriminalität zwar durch Kinder, und nicht an Kindern begangene Straftaten bedeuten, aber übergehen wir dieses Detail für den Moment.

Das größere Problem ist, dass in dieser Interpretation Pädokriminalität eigentlich für alle Formen von Straftaten stehen müsste, die gegen Kinder verübt werden, also zum Beispiel auch Vernachlässigung oder körperliche Gewalt. Benutzt wird das Wort aber ausschließlich im Kontext einer bestimmten Kategorie von Kriminalität, nämlich Sexualstraftaten. Daraus lassen sich wiederum zwei mögliche Schlussfolgerungen ableiten. Entweder werden alle Formen von Kriminalität gegen Kinder, die keinen sexuellen Bezug haben, als zweitrangig und im Grunde vernachlässigbar gesehen, so als verdienen sie kaum die Klassifikation als Form von Kriminalität. Oder die Argumentation, dass mit dem Pädo in Pädokriminalität Kinder gemeint sind, ist nur vorgeschoben, und es soll eigentlich eine ganz andere Assoziation geweckt werden.

Von Pädokriminalität zu sprechen ist stigmatisierend

Die zweite mögliche Interpretation des Begriffs versteht den Wortteil Pädo nicht als Kind, sondern als Kurzform von pädophil. In dieser Leseart würde Pädokriminalität also von Pädophilen begangene Straftaten bedeuten. Auch hier geht es offensichtlich nicht allgemein um Straftaten – pädokriminell ist nicht der Ladendieb, der zufällig auch pädophil ist – sondern wieder nur um Sexualstraftaten gegen Kinder.

Nach Moßbruckers Definition können Pädokriminelle auch Straftäter sein, die nicht pädophil sind – was gerade im Bereich Kindesmissbrauch die Mehrheit ist. Ich halte das für vorgeschoben und behaupte, dass bei dem Wort die meisten Menschen nicht an altgriechische Vokabeln denken, sondern an Pädophilie, und das Wort mit „pädophile Kriminelle“ übersetzen. Pädokriminelle, die nicht pädophil sein sollen, dürfte vielen wie ein Oxymoron vorkommen. Moßbrucker selbst scheint nicht so ganz an seine eigene Definition zu glauben, wenn er später im Buch schreibt, dass Pädokriminelle oft „zusätzlich zu ihrer Neigung zu Kindern“ auch Fetischisten seien, und damit doch selber wieder impliziert, dass alle Pädokriminelle auch pädophil seien.

Dadurch trägt der Begriff weiter dazu bei, die Konzepte Pädophilie und Missbrauch zu verwischen und gleichzustellen. Davor warnte Bettina Winsemann bei Telepolis schon vor 14 Jahren:

Um jemanden zu beschreiben, der straffällig geworden ist, ist es aber nicht notwendig, seine sexuelle Präferenz in den Begriff des Kriminellen mit einzubeziehen. Zum anderen wird hier erneut durch den Begriff allein dafür gesorgt, dass sexuelle Gewalt gegenüber Kindern automatisch mit Pädophilie gleichgesetzt wird. Somit werden nicht nur Pädophile bereits verunglimpft, ohne dass sie sich etwas haben zu Schulden kommen lassen, es wird auch ausgeblendet, dass sexuelle Gewalt an Kindern aus den verschiedensten Gründen heraus entsteht.

Besonders entlarvend ist außerdem, dass Pädokriminalität eben nicht für alle Formen von Kriminalität steht, sondern sehr spezifisch nur für Sexualstraftaten gegen Kinder. Der Begriff ist intuitiv also ohne weitere Erklärung überhaupt nur verständlich, wenn er vor dem stigmatisierenden Vorurteil gedacht wird, dass Pädophilie und Sexualstraftaten gegen Kinder im Prinzip gleichbedeutend seien. Pädokriminalität bedeutet demnach Straftaten, die laut diesem Vorurteil eben üblicherweise von Pädophilen begangen werden. Dies zeigt, dass die Stigmatisierung von Pädophilen tief in der DNA dieses Begriffs verwurzelt ist.

Das dürfte auch der Grund sein, warum es im Vergleich dazu so absurd wirkt, von Hetero- oder Homokriminalität zu sprechen. Nicht, weil diese Begriffe weniger Sinn ergeben würden als Pädokriminalität, sondern weil Hetero- und Homosexualität weniger stark stigmatisiert und mit Sexualverbrechen in Verbindung gebracht werden, und damit ein Stigma im Hintergrund als Bindeglied fehlt, das den Begriffen überhaupt eine scheinbare Sinnhaftigkeit verleihen würde.

Insbesondere öffentlich-rechtliche Medien haben in letzter Zeit das Wort für sich entdeckt, von ARTE bis hin zur Tagesschau. Dabei handelt es sich um Medien, die journalistische Grundsätze tendenziell eher berücksichtigen und daher in der Berichterstattung oft (wenn auch nicht immer) darauf verzichten, von Pädophilen zu sprechen, wenn eigentlich Straftäter gemeint sind. Das Wort Pädokriminalität gibt diesen Medien nun die Möglichkeit, einen Begriff zu nutzen, der eine Assoziation zu Pädophilie herstellt, und gleichzeitig zu behaupten sich journalistisch korrekt zu verhalten, da sie ja nicht direkt von Pädophilie reden. Aus der ersten Freude, dass die Medien bei der Berichterstattung über Straftaten nun statt Pädophilie einen anderen Begriff verwenden muss daher die Ernüchterung folgen, dass dieser Begriff ihnen gleichzeitig eine Ausrede gibt, das Wortfragment Pädo deutlich häufiger in ihre Kriminalberichterstattung einzubauen.

Mehr als nur Kriminalität

In Moßbruckers Definition heißt es, Pädokriminelle sind Menschen, die „rechtliche und moralische Grenzen überschreiten“. Schaut man darauf, wie der Begriff in der Realität verwendet wird, wäre es treffender zu sagen, dass damit Menschen gemeint sind, die rechtliche oder moralische Grenzen überschreiten. Immer öfter wird mit Pädokriminalität nämlich auch Verhalten bezeichnet, das gar nicht strafbar ist.

Besonders populär sind aktuell Erzählungen von Pädokriminellen, die harmlose Kinderbilder aus sozialen Medien „klauen“ würden.2 Auch Menschen, die sich solche Bilder lediglich anschauen, werden dabei als Pädokriminelle bezeichnet. Moßbrucker zum Beispiel nennt in seinem Buch Menschen pädokriminell, die sich Bilder anschauen, die er selber als „harmlos“ und „unverfänglich“ beschreibt. Hier ist festzustellen, ganz egal was für Gefühle man persönlich dazu hat, dass das Betrachten legaler Kinderfotos keine Straftat ist und es sich um keine Form von Kriminalität handelt.3 Auch das ausdrücklich legale Jungsforum, das Moßbrucker mit voller Adresse nennt, bezeichnet er in seinem Buch als Plattform für Pädokriminelle.4

Dadurch werden sich völlig legal verhaltende Menschen auf eine Stufe mit Straftätern gestellt und sprachlich auch ganz direkt so bezeichnet. Maßstab, ob jemand als pädokriminell gilt oder nicht, scheint weniger das Gesetz, sondern individuelles moralisches Empfinden zu sein. Für Pädophile wiederum kann die Botschaft nur sein, dass noch nicht einmal legales Verhalten davor bewahrt, öffentlichkeitswirksam in den Medien als Krimineller bezeichnet zu werden.

Das Kind beim Namen nennen

Der Begriff Pädokriminalität gesellt sich zu dem ähnlich problematischen Begriff der Pädosexualität (den Hinindil demnächst genauer betrachten möchte) als Bezeichnung für Sexualstraftaten an Kindern, die über den Pädo- Präfix eine Verbindung zu Pädophilie herstellen. Anstatt sauber zu differenzieren und zwischen Pädophilie und Missbrauch zu unterscheiden, wird durch diesen Wald an Begriffen, der inzwischen selbst für Fachleute nicht mehr einfach zu durchblicken ist, die Situation noch weiter verwaschen und unklar gemacht. Unterm Strich bleibt dabei meistens hängen, dass Pädophilie gleich Missbrauch ist.

Das ist nicht zuletzt auch für die Bekämpfung sexualisierter Gewalt gegen Kinder kontraproduktiv. Durch die Implikation, diese Taten werden vor allem von Pädophilen begangen, wird der Großteil der von nicht-pädophilen Täter:innen begangenen Taten verharmlost und aus dem öffentlichen Bewusstsein verdrängt. Bei nicht-pädophilen Menschen, die sich bereits übergriffig gegenüber Kindern verhalten haben, wird der Schritt zur selbstkritischen Auseinandersetzung mit ihren Taten erschwert. Denn sie sind ja nicht pädophil, wie sollten sie da pädokriminell sein können? Gleichzeitig wird Aufklärung und Prävention behindert, indem der falsche Mythos aufrechterhalten wird, sexualisierte Gewalt sei wesentlich durch sexuelle Präferenzen motiviert.

Dabei gibt es wirklich zahlreiche bessere Alternativen als Bezeichnung für Sexualstraftaten gegen Kinder, die präzise beschreiben, worum es geht und den Fokus auf die Tat und nicht auf die vermutete Sexualität des:der Täter:in legt: Kindesmissbrauch, Kinderpornografie, sexuelle bzw. sexualisierte Gewalt gegen Kinder, Kindesmissbrauchsabbildungen, Darstellungen sexualisierter Gewalt gegen Kinder, um nur einige zu nennen. Gegenüber Moßbrucker habe ich diese Alternativen als Vorschlag auch erwähnt, den er immerhin in einem Satz erwähnt, um ihn dann ohne Begründung für den Rest des Buches zu ignorieren. Der Wunsch unter Medienschaffenden, bei der Diskussion dieses Themenbereichs die Silben pädo noch irgendwie hineinzuquetschen, scheint wohl einfach zu groß zu sein.


  1. Eine Websuche nach den Begriffen liefert fast nur Ergebnisse, die über diese Begriffe argumentieren, dass es unsinnig ist von Pädokriminalität zu reden. Und ich dachte, ich wäre originell. 

  2. Auch das Reden von „klauen“ ist aus meiner Sicht fragwürdig. Klauen legt nahe, dass jemanden etwas weggenommen wird, was er dann nicht mehr hat. Wer aber ein für ihn frei verfügbares Bild herunterlädt, „klaut“ mitnichten etwas, schließlich bleibt das ursprüngliche Bild erhalten. Das Hochladen an anderer Stelle kann eine Verletzung des Urheberrechts oder des Rechts am eigenen Bild darstellen, ist aber auch keine Form von Diebstahl. 

  3. Sind wir wirklich soweit gekommen, dass ich ernsthaft argumentieren muss, dass legales Verhalten keine Straftat ist? 

  4. Das Jungsforum ist aus diversen anderen Gründen problematisch, aber eben nicht illegal. 

CC BY-SA

Artikel kommentieren

Um Missbrauch vorzubeugen, werden Kommentare von uns überprüft und manuell freigeschaltet. Neue Kommentare sind deshalb nicht sofort sichtbar.

1 Kommentar

Die Definition von Pädokriminalität als das Überschreiten von rechtlichen und/oder moralischen Grenzen ist vor allem auch deshalb problematisch, weil in den Augen vieler Menschen bereits durch das bloße sexuelle Fantasieren über Kinder eine moralische Grenze überschritten wird. Und demnach könnte man dann ja pauschal jeden Pädophilen als pädokriminell bezeichnen...

Sirius

Avatar von Sirius

Mein Name hier ist Sirius – angelehnt an den Doppelstern im Großen Hund. Ich bin etwa Anfang 30, und studierter Informatiker. Seit meiner Jugend weiß ich, dass ich mich zu Kindern besonders hingezogen fühle. Und auch wenn der Umgang damit nicht immer einfach war, so hat es mich doch auch unter anderem zu meinem Rotkäppchen geführt, mit der ich in einer glücklichen Beziehung lebe. In meiner Freizeit versuche ich einen Beitrag zur Aufklärung über Pädophilie zu leisten, mache gerne Musik und verzweifle gelegentlich an der Gesellschaft.

Suche

Neuste Kommentare

Jetzt muss ich ja nochmal antworten, wenn ich deinen Kommentar nicht unkommentiert stehen lassen möchte. 1.Bitte lies meine Texte genauer und interpretiere Aussagen und Formulierungen immer in dem Kontext, in dem sie getroffen wurden und interpretiere nichts hinein, das ganz offensichtlich nicht gemeint ist. Die Aussage, dass es nicht das Bedürfnis und auch kein Recht darauf gibt, nicht unwissentlich sexuell wahrgenommen zu werden, wurde ganz eindeutig im Kontext sexueller Fantasien getroffen. Wie du hier die Brücke zu sexuellem Missbrauch schlägst, ist mir schleierhaft. Sexueller Missbrauch ist eine Handlung und geht weit über die bloße sexuelle Wahrnehmung hinaus. Ich schreibe u. a. in ebendiesem Kommentar: Ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass die Kinder hiervon überhaupt nichts mitbekommen und auch nicht im Nachhinein, wenn sie älter sind, die Bedeutung dieser Situationen verstehen. und Ob du es glaubst oder nicht, aber es gibt vereinzelt Fälle von Missbrauchsbetroffenen, die ihre Missbrauchserfahrungen weder als Kind, noch als Erwachsene, als schlimm ansehen. Deswegen war dieser Missbrauch aber nicht in Ordnung, da das Risiko bestanden hat, dass das Kind traumatisiert wird. Dass dies in einem Einzelfall nicht passiert, ist einfach ein riesiges Glück, macht die Tat aber deswegen nicht weniger egoistisch und verwerflich. Hier mache ich ziemlich deutlich, a) dass es vorkommen kann, dass Kinder erst im Nachhinein verstehen, wie der Erwachsene sich während des Missbrauchs gefühlt hat und es daher auch nachträglich zu einer Schädigung kommen kann, und b) Missbrauch (= sexuelle Handlungen zwischen Erwachsenen und Kindern, und damit meine ich eben jede Handlung, die der sexuellen Befriedigung des Erwachsenen dient) immer verwerflich ist. 2.Du ignorierst die ganze Zeit alle Kommentare und Argumente, außer meine, bis dann jemand etwas schreibt, das du problematisch findest, dann gehst du darauf ein. Also gut, schauen wir es uns mal an. Es wurde geschrieben, dass mit eventuell auftretenden Erregungszuständen professionell umgegangen werden muss. In meinem Beitrag habe ich geschrieben, dass sexuelle Impulse und Erregung während der Arbeit die Ausnahme bilden müssen, da es ansonsten schwer möglich ist, einen natürlichen Umgang mit den Kindern zu pflegen und den Kindern auffallen kann, dass etwas komisch ist. So wie ich die Aussage, mit Erregungszuständen müsse professionell umgegangen werden, interpretiere, ist damit einfach gemeint, dass, sollte doch einmal die Ausnahme eintreten und der Erzieher, z. B. wenn er ein Kind auf dem Schoß hat, doch einmal spürt, dass er beginnt erregt zu werden, er ohne panisch zu werden, aber doch zügig, reagiert, und das Kind von seinem Schoß nimmt und, sollte dies in dieser Situation öfter auftreten, er die Situation grundsätzlich meidet. Das ist für mich ein professioneller Umgang mit einer Erregungssituation. Die Aussage, dass ein Pädophiler, der in der Nähe von Kindern häufig erregt ist, nicht mit Kindern arbeiten sollte, bleibt dabei bestehen. Und was den anderen Kommentar betrifft, ging ich davon aus, dass die aufgezählten Körperlichkeiten für den Verfasser keine sexuelle Konnotation haben, für mich jedenfalls haben sie die nicht. Falls das für ihn anders ist, ist das selbstverständlich eine andere Sache. 3.Du hältst das, was hier dargestellt wird, für nicht gesellschaftlich vermittelbar. Dem schließe ich mich zu 100% an. Aber was gesellschaftlich vermittelbar ist und was nicht, unterliegt einem ständigen Wandel. Aus dem Ist-Zustand auf einen Soll-Zustand zu schließen, ist in diesem Zusammenhang nicht zulässig. Es gab auch eine Zeit, in der die Homo-Ehe nicht gesellschaftlich vermittelbar war. 4.Nochmal Bezug nehmend auf deine Aussage, es gäbe ein Bedürfnis nicht sexuell wahrgenommen zu werden. Wie soll ein solches Bedürfnis geltend gemacht werden? Wie willst du verhindern, dass du sexuell wahrgenommen wirst? Es ist schlichtweg nicht umsetzbar, ohne dass wir uns in ganz dystopischen Gefilden mit Gedankenkontrolle etc. bewegen. Und dann würden ganz andere und schwerwiegendere Bedürfnisse verletzt. Dass du in dem Zusammenhang die Gesetzeslage ganz ignorierst, finde ich auch problematisch. Unser Grundgesetz und die darin verbrieften Rechte haben schon ihren Grund und ihre Daseinsberechtigung und jeder Versuch, Menschen ihre Fantasien verbieten zu wollen, wäre mit dem Grundgesetz nicht vereinbar. Und wenn du jetzt sagst, dass es dir nicht darum geht, irgendetwas verbieten zu wollen, frage ich mich, wieso wir diese Diskussion führen, wenn sie keine rechtlichen Implikationen mit sich bringt. Wenn du es nicht verbieten willst, dann kann es nicht schädlich sein (und dass reine Fantasien nicht schädlich sind, ist für mich offensichtlich - nochmal, wir reden von Fantasien, die zuhause stattfinden und von denen niemand etwas mitbekommt) und wenn es nicht schädlich ist, dann liegt es an der Einzelperson zu entscheiden, was sie davon hält. Und im Zweifel hat Toleranz auch gerade damit zu tun, Dinge auszuhalten, die einem ein Gefühl von Unwohlsein geben, solange sie niemandem schaden.
Die Definition von Pädokriminalität als das Überschreiten von rechtlichen und/oder moralischen Grenzen ist vor allem auch deshalb problematisch, weil in den Augen vieler Menschen bereits durch das bloße sexuelle Fantasieren über Kinder eine moralische Grenze überschritten wird. Und demnach könnte man dann ja pauschal jeden Pädophilen als pädokriminell bezeichnen...
Sorry, ich will mich doch nochmal zu Wort melden. Mir schwirrt gerade ganz viel durch den Kopf. Ich hänge immer noch bei dieser Aussage "ein Bedürfnis nicht unwissentlich sexuell wahrgenommen zu werden, gibt es nicht." Mir kommt das erschütternd unreflektiert vor. Wenn wir über Missbrauch reden, wenn wir darüber reden, wie das Kinder traumatisieren kann, geht es dabei nicht in vielen Fällen auch um genau das? Zum Beispiel ein Täter, der ein Kind im Intimbereich anfasst oder sich von diesem Kind im Intimbereich anfassen lässt, und dem Kind einredet, dass das normal sei. Das ist ja keine Gewalt im physischen Sinne, das richtet rein köperlich betrachtet in diesem Moment ja keinen Schaden an. Das Trauma entsteht eben dadurch, dass das Opfer irgendwann erfährt, dass es für den Täter diese sexuelle Komponente hatte. Dadurch, dass das Opfer irgendwann erfährt, was der Täter, häufig eine vertraute Person, im Zeitraum der Taten gedacht hat und wie er das Opfer dabei wahrgenommen hat. Das ist doch ein ganz zentraler Aspekt? Ich habe mich nie mit Fachliteratur zu diesem Thema beschäftigt, ich will auch nichts Falsches sagen oder Opfern in irgendeiner Form zu nahetreten. Man kann mich gerne korrigieren, wenn ich da falsch liege, aber das ist es doch, in ganz vielen Fällen, oder nicht? Ich will auch nicht das, was ihr beschrieben habt, auf eine Stufe mit Missbrauch stellen. Aber ich habe den Eindruck, es geht bereits in die Nähe. Schließlich war hier jetzt auch die Rede davon, dass evtl. auftretende Erregungszustände ja nicht so schlimm seien, so lange man nur professionell mit ihnen umgeht. Ein anderes Mitglied schreibt davon, wie schön es sei, dass die Initiative immer von den Kindern ausgeht, und zählt erlebte Körperlichkeiten mit Kindern auf. Ich frage doch nochmal: Wo ist die Grenze erreicht, sofern es denn eine gibt? Ja, wenn man selbst nie Handlungen initiiert, dann kann man sich damit ziemlich gut vor dem Auffliegen immunisieren, und wenn man nicht auffliegen kann, dann kann es auch keinen Schaden geben. Und Fantasien sind ja nur Fantasien. Aber ist das wirklich schon der einzige Anspruch, den man in diesem Kontext an sich stellen sollte? Nochmal, mir geht es nicht darum, wie irgendwas gesetzlich definiert ist. Das ist mir an der Stelle egal. Mir geht es um den Umgang mit pädophilen Menschen, deswegen bin ich auf dieser Seite gelandet. Und ich füge noch hinzu, dass ich die aktuellen Zustände mit Pädo-Jagden und dergleichen auch ganz furchtbar finde. Ich wünschte auch, dass sich das ändern würde. Aber was hier dargestellt wird, halte ich für total kritisch und der Gesellschaft so nicht vermittelbar. "Vertrauen und Zutrauen" wurde sich gewünscht. Es fällt schwer. Man könnte fragen, ob ihr selbst nicht schon in dem Moment Vertrauen bricht, indem ihr als Pädophile überhaupt solche Berufe ausübt. Ihr könnt das machen, natürlich, aber ich glaube nicht, dass ihr dafür Zuspruch erwarten könnt. Ich bin jetzt ein paar Tage unterwegs, diesmal ist das also wirklich mein vorerst letzter Kommentar. Ich brauche jetzt ohnehin eine Pause...
@Zweifelnd: Das, was du wohl gerne hättest, würde nur gehen, wenn wir alle Pädophilen umbringen. Dann werden Kinder nicht mehr sexuell wahrgenommen.
Auch ich möchte mich bei allen bedanken die eine Verfassungsbeschwerde möglich gemacht haben. Es hat im Mindestmaß gut gezeigt das selbst renomierte Medien sich nicht für uns interessieren, da so gut wie keine Sau darüber berichtet hat. In den Debatten und Empörungsnschrichten werden die Verfahren nicht einmal erwähnt. Es wird einfach alles einseitig verteufelt und die aktuellen Studien ignoriert.