Interview mit einer Pädophilen

Ich habe vor einiger Zeit die Fragen einer Studentin die sich im Rahmen ihrer Abschlussarbeit dem Thema „Pädophilie bei Frauen“ gewidmet hat, beantwortet. Einige davon möchte ich hier gerne mit euch teilen.

Nachtrag am 29.04.2020: Es handelt sich bei dieser Studentin um Barbara Hatzl, die ihre Arbeit schließlich auch erfolgreich fertiggestellt hat :) https://pub.fh-campuswien.ac.at/obvfcwhsacc/content/titleinfo/3683187

Frage: Was bedeutet es für dich pädophil zu sein?

Antwort: In erster Linie bedeutet es für mich auf irgendeine Art anders auf Kinder zu reagieren und sich stärker mit ihnen verbunden zu fühlen als andere Menschen. Bei den meisten gehört die sexuelle Ansprechbarkeit dazu, aber auch sich in ein Kind tatsächlich verlieben zu können. Viele pädophile Menschen verbringen zudem gerne Zeit mit Kindern allgemein und wollen Teil ihrer Welt sein. Verliebt habe ich mich bisher allerdings zuletzt in meiner eigenen Kindheit in ein anderes Kind.

F: Mit welchem Gefühl würdest du Pädophilie beschreiben?

A: Mit welchem Gefühl würden Sie Heterosexualität beschreiben? Ich empfinde Freude, wenn mir ein Kind begegnet, das ich süß oder sympathisch finde. Manchmal bin ich regelrecht überwältigt aufgrund der Schönheit dieses Menschen. Ansonsten empfinde ich die Neigung als normal, sie ist einfach ein Teil meiner Gesamtheit an Empfindungen.

F: Ist Pädophilie für dich eine sexuelle Orientierung wie Homo- oder Heterosexualität? Wie siehst du die Diskussion darüber?

A: Ja, nur eben eine die sexuell nur mit sich selbst oder anderen Erwachsenen ausgelebt werden sollte. Gefühle für ein Kind, wenn sie auch nicht immer auf die gleiche Art erwidert werden wie man sich das wünschen würde, sind genauso möglich und werden ähnlich empfunden wie bei anderen Orientierungen. Es ist ein Irrglaube, dass Pädophile sich permanent kontrollieren müssten um nicht übergriffig zu werden oder jedes Kind attraktiv finden. Ihre Lust ist genauso unterschiedlich stark oder schwach ausgeprägt wie bei jedem anderen Menschen und auch sie haben unterschiedliche Vorlieben was ihnen optisch sowieso charakterlich an einem Kind zusagt.

F: Wurde bei dir Pädophilie diagnostiziert? Wie ist das abgelaufen? Wurde gleich eine Pädophilie diagnostiziert oder zuerst eine andere Erkrankung – das hört man ja oft und ich kann mir vorstellen, dass das bei Frauen noch häufiger der Fall ist?

A: Ja, die Diagnose wurde mir bei einem Gespräch mit einem Therapeuten von KTW bestätigt, auch wenn mir das eigentlich schon vorher bewusst war. Abgelaufen ist das denke ich mal per Standardverfahren wie bei Männern auch. Mir wurden Fragen zu meiner Lebensgeschichte, insbesondere aber auch zu sexuellen Erfahrungen, meinen früheren und aktuellen Beziehungen und Gedanken bei der Selbstbefriedigung und im Alltag gestellt. Das Gespräch dauerte etwa 1,5 Stunden. Ich habe noch andere Diagnosen, wie Depressionen und Soziale Phobie, aber die hatte ich schon lange bevor ich zum ersten Mal bei KTW war und ohne die Pädophilie zu erwähnen.

F: Wie war es für dich, dich zu outen? Was hast du für Reaktionen bekommen? Gerade auch, weil du eine Frau bist und Pädophilie ja mehr Männern „zugeschrieben“ wird.

A: Dass ich eine Frau bin, hat tatsächlich niemanden dem ich davon erzählt habe besonders gewundert. Die Reaktionen waren überwiegend positiv und die wenigen Negativen lassen sich damit begründen, dass ich diese Personen kaum kannte. Man sollte sich gut überlegen wem man es anvertraut, aber auch auf welche Art und Weise. Es ist ein Unterschied, ob ich einfach sage „Ich bin pädophil“ und nichts dazu erkläre, sondern davon ausgehe, dass das Gegenüber schon verstehen wird, was das bedeutet oder ob ich sage „Ich mag Kinder. Etwas anders als andere Menschen und ich habe nicht vor jemals einem Kind zu schaden.“ Das Wort pädophil ist an sich nicht das Problem, allerdings ist es sehr negativ vorbelastet und deshalb sollte man es anfangs eher meiden.

F: Hast du den Wunsch, einmal Mutter zu werden? Wie siehst du das hier mit der Pädophilie?

A: Das wünsche ich mir sehr und habe da bezüglich der Neigung keine Bedenken mehr. Anfangs war das allerdings der ausschlaggebende Punkt weshalb ich mich an KTW gewendet habe. Das Thema Baby kam zwischen mir und meinem Partner auf und er sorgte sich, wie das dann wohl werden würde, vor allem wenn wir einen Jungen bekommen sollten und ich war selbst noch etwas unsicher. Unsere Sorgen konnten allerdings zusammen mit dem Therapeuten aufgelöst werden. Ich bin keine Gefahr, denn ich reflektiere mein Handeln.

F: Lassen sich Mutterschaft/Vaterschaft und Pädophilie deiner Meinung nach vereinen?

A: Auf jeden Fall, die sexuelle Orientierung sollte keine Rolle dabei spielen ob man ein gutes Elternteil sein kann oder nicht.

F: Warum gelingt es unserer Gesellschaft nicht, Frauen als pädophile Menschen wahrzunehmen? Hast du dafür eine Erklärung?

A: Es könnte damit zusammenhängen, dass noch immer viele Menschen nicht zwischen Täter und Nichttäter unterscheiden. Pädophile sind für sie alte, sonderbare Männer die sich meistens auf Spielplätzen aufhalten. Frauen haben viel häufiger, nahen Kinderkontakt – sie als potentielle Gefahrenquelle zu betrachten würde ihren Vorurteilen entgegenstehen.

F: Glaubst du, es fällt Frauen oft selbst schwer zu erkennen, dass sie pädophil sind? Warum? Spielen traditionelle Rollenbilder hier eine Rolle?

A: Ja. Ich denke überwältigende Gefühle Kindern gegenüber haben Mütter (und auch Frauen ohne Kinder) in der Regel häufiger als Männer und viele nehmen ihre Neigung deshalb vielleicht gar nicht richtig zur Kenntnis. Der sexuelle Aspekt wird da denke ich eher ausgeblendet. Für Frauen hat Sex ja häufig einen etwas anderen Stellenwert als für Männer (nicht was die Libido sondern eher was die Umstände betrifft), eventuell liegt es daran.

F: Denkst du, weibliche Pädophilie unterscheidet sich von männlicher? In welcher Form auch immer – Auslebung der Neigung (im Forum habe ich gelesen, dass einige der Meinung sind Frauen habe es leichter sich Kindern zu nähern), Outing, Suche nach Hilfe, Leidensdruck…?

A: Ich glaube nicht. Ich kenne zwar nur mich als „Vergleichsfrau“, weil meine Freunde aus dem GSA-Forum alle männlich sind, aber nach ihren Schilderungen unterscheiden sich unsere Empfindungen kaum. Ich vermute, dass Frauen vielleicht seltener einen Leidensdruck verspüren, weil sie nicht als potentielle Täter betrachtet werden, wenn sie viel Kontakt zu Kindern haben. Sie bekommen nicht so häufig das Gefühl vermittelt, mit ihnen würde etwas nicht stimmen oder sie wären gefährlich. So ging es mir zumindest. Wie es sich mit Frauen verhält die Hilfe suchen, weil sie befürchten übergriffig zu werden, weiß ich nicht. Als ich mich an KTW gewendet habe um Gewissheit zu haben, dass ich wirklich pädophil bin, gab es jedenfalls keine Probleme.

F: Was bräuchte es, deiner Meinung nach, für eine öffentlichere Diskussion zum Thema Pädophilie aber auch speziell zu weiblicher Pädophilie?

A: Es Bedarf allgemein mehr Aufklärung darüber was Pädophilie überhaupt ist und, dass sie an sich viel weiter verbreitet ist als die meisten Menschen annehmen, eben auch unter Frauen. Je mehr den Menschen bewusst wird, dass Pädophilie nicht so selten ist wie sie eventuell denken, desto einfacher wird es für sie zu erkennen, dass die meisten Pädophilen keine Täter sind, sondern sich unauffällig im Kontakt mit Kindern verhalten.

F: Wie könnte man pädophile Frauen besser erreichen?

A: Zum Beispiel könnte man auch weibliche Darstellerinnen in Werbungen für Angebote wie KTW zeigen. Ansonsten ist die Frage: Erreichen wofür? Nicht jede Person mit dieser Neigung braucht eine Therapie - wichtiger wäre es die Gesellschaft darüber aufzuklären, dass die Stigmatisierung dazu beiträgt, dass Menschen unter ihrer Orientierung leiden.

F: Können Frauen ihren Missbrauch besser „tarnen“ dadurch, dass ihnen niemand die Rolle einer Täterin sondern eher einer fürsorglichen Beschützerin zuschreiben würde? Welche Rolle spielen hier Stereotype?

A: Ich denke schon, dass über Frauen ein anderes Bild in der Gesellschaft herrscht als über Männer. Es gilt als normal, wenn Frauen Kinder gerne mögen, auch, dass sie viel Körperkontakt mit ihnen haben. Dadurch fällt so eine Neigung einfach weniger auf - nicht nur der Gesellschaft, sondern wohl auch den Frauen selbst. Ob und wie Frauen Missbrauch tarnen kann ich nicht sagen, weil ich das Ausleben der Neigung in dieser Form konsequent ablehne.

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