Hiermit möchte ich eine neue wöchentliche Rubrik beginnen. Jeden Sonntag möchte ich hier eine Liste von aktuellen Fundstücken zum Thema Pädophilie veröffentlichen, die ich die Woche über gefunden habe, und kurz meine Gedanken dazu äußern. Anfangen möchte ich diese Woche mit zwei Artikeln über zwei KTW-Standorte und einer Meldung über ein neues internationales Abkommen.

Sirius' Sonntagskiste

Sirius' Sonntagskiste ist mein persönlicher Wochenrückblick zum Thema Pädophilie. Jede Woche möchte ich Fundstücke zum Thema Pädophilie sammeln und meine Kiste mit Nachrichten, Medienartikel, Erlebnissen und Gedanken füllen. Jeden Sonntag werde ich dann an dieser Stelle meine Kiste öffnen um vorzustellen und zu kommentieren, was ich dort gesammelt habe. Das Ergebnis ist eine Reihe von Kommentaren und Gedanken zu aktuellen Themen, bei denen mir die Zeit für einen eigenen Blogbeitrag fehlt oder die einfach nicht umfangreich genug für einen eigenen Beitrag sind.
Alte Kisten
2019

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2020

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  1. Mein Kopf platzt (15/2020)
  2. Ohne Tabus (17/2020)
  3. Verantwortung (19/2020)
  4. Rückkehr zur Tagesordnung (20/2020)
  5. Kinderentführer, Satanisten, Pädophile (21/2020)
  6. Den Pädo-Kriminellen den Kampf ansagen (22/2020)
  7. Hinunter in den Kaninchenbau (23/2020)
  8. Das Nachbeben von Münster (24/2020)
  9. Ja, aber... (25/2020)
  10. Echoes aus der Vergangenheit (26/2020)
  11. Volle Fahrt voraus und Kurs auf's Riff (27/2020)

Facebook und WhatsApp müssen verschlüsselte Nachrichten mit UK-Polizei teilen

Diesen Oktober soll ein Abkommen zwischen den USA und Großbritannien unterzeichnet werden, welches amerikanische Betreiber von Social Media Plattformen dazu verpflichtet, auf Verlangen der britischen Polizei verschlüsselte Nachrichten auszuhändigen. Betroffen wären davon zum Beispiel der beliebte Messenger-Dienst WhatsApp. Interessanterweise hat der Informant, der die Pläne an die Presse veröffentlicht hat, explizit gesagt dass schwere Verbrechen "wie Terrorismus oder Pädophilie" als Grund für das behördliche Anfordern der Nachrichten dienen können.

Letzen Endes ist die Meldung keine große Überraschung – meiner Ansicht nach setzt sich damit ein Trend seitens der Regierungen fort, die Angst vor "Pädophilen" zu nutzen um damit das Recht auf Privatsphäre mehr und mehr auszuhebeln. Wenn der Verdacht auf Pädophilie in den Augen der Verantwortlichen bereits ausreicht, um jemanden zur potentiellen Gefahr zu machen und Überwachung und Ausspähen zu rechtfertigen, dann sollte das uns alle zur Vorsicht mahnen – insbesondere wenn wir zu dem Thema kommunizieren, aber prinzipiell kann jeder unter Generalverdacht gestellt werden. Meine Empfehlung ist daher, genau darauf zu achten über welche Software private Kommunikation betrieben wird. Von Diensten, die von amerikanischen Firmen betrieben werden ist (gerade auch im Blick auf diese Nachricht) eher abzuraten. Bessere Alternativen sind zum Beispiel Riot, Signal, Tox oder Threema. Eine Sammlung von Programmen zum Schutz der Privatsphäre findet sich außerdem auf der exzellenten Webseite privacytools.io.

Kinder schützen, Pädophilen helfen

Die Zeitung Kieler Nachrichten haben am Montag einen Artikel anlässlich einer staatlich getragenen Informationskampagne für das KTW-Projekt in Schleswig-Holstein veröffentlicht. Der erste Teil des Artikels ist überwiegend ziemlich faktisch und nüchtern und gibt hautsächlich nur die aktuellen Statistiken zum Projekt statt. Was mich jedoch verwundert hat, ist die Aussage des Projektkoordinaters Prof. Dr. Christian Huchzermeier, wonach von 56 000 in Schleswig-Holstein lebenden Pädophilen insgesamt 42 000 übergriffig seinen, was also ein Anteil von 75% wäre. Dies erscheint mir außerordentlich hoch. Leider wurde nicht näher beschrieben, wie diese Zahl zu Stande kommt, ich habe dazu eine Anfrage an Prof. Huchzermeier geschickt und werde den Beitrag aktualisieren, falls ich eine Antwort bekomme. Meine Vermutung ist es, dass die Gesamtzahl aller Missbrauchstäter genommen und dabei außer Acht gelassen wurde, dass weniger als 20% aller Missbrauchsfälle von tatsächlich pädophilen Menschen begangen werden.

Der zweite Teil des Artikels besteht aus einem Interview mit dem therapeutischen Projektleiter des Kieler KTW-Standorts Dr. Martin Budde, der unter anderem einige Einblicke darüber gibt, welche welche Probleme und Einschränkungen die Menschen haben, die bei ihm nach Unterstützung suchen. Dabei wird auch die "75%"-Aussage aus dem ersten Teil ein Stück weit wieder relativiert, indem darauf hingewiesen wird, dass auch dem offiziellen Behandlungshandbuch DSM zu Folge es pädophile Menschen gibt, die keine Übergriffe begehen oder Missbrauchsabbildungen konsumieren.

Das Monster im Spiegel

Über den KTW-Standort in Düsseldorf ist ebenfalls ein neuer Artikel erschienen, in dem der hebephile Patient Marcel über seinen Weg zur Therapie und die Auswirkungen, die diese auf ihn hatte berichtet. Ergänzt wird seine Erzählung von Kommentaren der dortigen Projektleiterin Kirsten Dammertz-Hölterhoff.

Sieben Jahre

Nach den eher deprimierenden Nachrichten über die Aushebelung unserer Privatsphäre, pädophilen Menschen die zu 75% Straftäter werden und die ohne therapeutische Unterstützung mit ihrer inneren Zerissenheit nicht mehr umgehen können möchte ich dann doch mit etwas Positiveren diese Woche abschließen. Hier ist ein kleines musikalisches Fundstück aus meiner Kiste: Seven Years von Norah Jones, ein Lied das einfach die unbeschwerte Schönheit eines singenden und tanzenden siebenjärhigen Mädchens beschreibt.

4 Kommentare

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ilytul

Ja, die Menschen sind einfach nicht belehrbar. Aber gerade von professionellen Wissenschaftlern, die auf diesem Gebiet agieren, erwarte ich korrekte Informationen. Ich finde es erschreckend, wie leichtfertig mit Äußerungen umgegangen wird, es handelt sich bei uns um Menschen, die dadurch erheblich stigmatisiert werden... In meiner Kritik zum Focus-Artikel habe ich eine ähnliche Äußerung übrigens klargestellt. Spoiler: Die Aussage ist vollkommen hanebüchen.

Sirius

Ja, rechnerisch ergibt das irgendwie keinen Sinn. Der Artikel zitiert die Kriminalstatistik in SH mit 600 Sexualstraftaten gegen Kinder (Missbrauch und Kinderpornographie) im Jahr 2018. Wenn wir davon ausgehen, dass von 20 Kindesmissbrauchsfällen einer zur Anzeige gebracht wird, sind das 12 000 Sexualstraftaten gegen Kinder insgesamt. Wenn wir jetzt großzügig annehmen, dass jeder Fall ein neuer Täter ist und die Hälfte davon pädophil ist (in der Realität sind es wahrscheinlich wesentlich weniger und einige davon Wiederholungstäter), dann heißt das, dass von den 56 000 pädophilen Menschen in SH im Jahr 2018 insgesamt 6000 (also etwa 10%) eine Sexualstraftat gegen Kinder begangen haben. Das ist noch weit entfernt von den zitierten 75%.

Ich bin gespannt, ob ich noch eine Antwort von Prof. Huchzermeier dazu bekomme.

Regenbogenfisch

Ich habe jetzt alle deine Sonntagskisten gelesen, Sirius und möchte dir an der Stelle mal für die Arbeit danken, die du dir immer machst, um aufzuzeigen, wie ungerecht in den Medien oder allgemein in unserer Gesellschaft mit uns pädophilen Menschen umgegangen wird, oder auch um die weitaus selteren postitiven Beispiele zur Berichterstattung über Pädophile hervorzuheben. Sehr schön sind natürlich auch deine Musikempfehlungen am Ende. Da sind viele schöne Stücke dabei, die ich bisher nie in Hinblick auf meine pädophile Neigung gehört habe, die man aber durchaus auf unserer Situation anwenden kann.

Sirius

Vielen Dank, dass du dir die Mühe gemacht hast dir die ganzen Kisten durchzuwühlen :D Es freut mich zu hören, dass meine Arbeit auch von anderen gelesen wird. Und ich bin immer offen für Musikempfehlungen, falls du noch ein paar passende Lieder parat hast :)

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