Titelbild zu Kidflix und der Hass auf Pädophile
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Nun schon seit Monaten werden wir auf Wir sind auch Menschen von Hassbotschaften geflutet. Der Fragebereich, den wir ursprünglich eingerichtet haben, um interessierten Menschen die Gelegenheit zu geben, ihre Fragen zum Thema Pädophilie direkt an Pädophile zu stellen, ist inzwischen vor allem zu einem Instrument geworden, über das Menschen ihre Gewaltfantasien und ihren ungehemmten Hass gegen uns transportieren. Eine typische „Frage“, von denen wir täglich meist mehrere erhalten, sieht etwa so aus (wer keine Gewaltfantasien lesen möchte, mag den nächsten Absatz gerne überspringen):

Hallo ihr Kranken Menschen ! Euch müsste man foltern ganz langsam, nach und nach kastrieren.. ihr wollt nicht wissen was wir die NORAMLEN Menschen mit euch drecks Tiere machen würden wenn wir das mit bekommen würden!! Keine Gefahr für unsere Kinder ? Was denkt ihr ? Das dass normal ist wenn man ein armes unschuldiges Kleinkind anfasst und missbraucht und das Kind sich zu Tode schreit, davon werden ihr missgeburten geil ? Pfui ein abschaum für die Menschheit.!!!! Ich hoffe es wird heraus gefunden wer hinter dieser abartigen Seite steckt und dann ab mit euch. Asoziale Bastarde, eure Mutter hat euch wohl zu oft auf den Kopf fallen lassen.. ihr Tiere !!!!

In diesem Beitrag soll es nicht darum gehen, wie schlimm solche Botschaften sind oder was sie bei Betroffenen wie mir auslösen. Das sollte eigentlich jedem offenkundig sein, der seine menschliche Empathie nicht beim Wort „Pädophile“ ausschaltet. Stattdessen soll es um die Frage gehen, wie dieser Hass auf Pädophile entstehen und sich halten kann, und wie er inzwischen derart gesellschaftsfähig werden konnte, dass Menschen sich mit ihrem Hass hemmungslos und meist ohne nennenswerten Gegenrede schmücken, sei es in Online-Kommentarspalten oder auf Familienfeiern.

Sicherlich gibt es darauf keine einfache Antwort, es ist ein Zusammenspiel von mehreren Faktoren und komplexen gesellschaftlichen Entwicklungen, die sich zum Teil seit Jahrzehnten (und noch länger) abspielen. Aber mit Sicherheit ein wesentlicher Faktor, der ganz unmittelbare Auswirkungen auf unser alltägliches Leben hat, ist die Art und Weise, wie Medien über Kriminalfälle im Bereich Kindesmissbrauch und Kinder- und Jugendpornografie berichten. Ein aktuelles Beispiel dafür, an dem sich dies gut illustrieren lässt, ist die vor kurzem erfolgte Abschaltung der Kinder- und Jugendpornografieplattform Kidflix.

Der Fall „Kidflix“

Am 02. April hielten Bayerns Innenminister Joachim Herrmann und Justizminister Georg Eisenreich eine Pressekonferenz ab, in der sie über die Abschaltung einer Darknet-Plattform für die Verbreitung von Kinder- und Jugendpornografie berichteten. Auf der Plattform mit dem Namen „Kidflix“ seien kinder- und jugendpornografische Videos verbreitet worden, wobei laut Informationen der Polizei Previews in niedriger Qualität kostenlos, und höher auflösende Versionen der Videos gegen Zahlungen in Kryptowährungen angeboten wurden. Die Nachverfolgung der Zahlungswege ermöglichte die Identifikation von etwa 1400 Nutzer:innen weltweit, 79 davon wurden bislang verhaftet.

Die darauf folgende Berichterstattung in den deutschen Medien war vor allem von Superlativen und durchweg boulevardesker Emotionalisierung gekennzeichnet. So war die Rede vom „größten Schlag gegen Kinderpornografie-Plattform“ oder sogar „einen der bedeutendsten Einsätze gegen Kinderpornografie seit der Gründung von Europol“, die Plattform selber wurde als eine der größten ihrer Art im Darknet bezeichnet. Immer wieder war dabei auch von der unfassbaren Zahl von fast zwei Millionen Nutzenden die Rede, wobei unklar bleibt, ob es sich dabei um individuelle Personen, registrierte Accounts oder Login-Vorgänge handelt. Trotz dieser Unklarheiten ist unter anderem bei der Süddeutschen ef­fekt­ha­sche­risch von einer „Plattform des Grauens mit Millionenpublikum“ die Rede. Gleichzeitig fielen in der Berichterstattung regelmäßig emotionalisierende Adjektive wie „widerwärtig“ oder „pervers“. Einige Medien, darunter der Spiegel und der Tagesspiegel, nennen explizite Details der auf der Plattform gehosteten Inhalte, darunter Kategorien und Altersklassen der dargestellten Opfer, in denen die Videos einsortiert wurden, und sogar einzelne Videotitel. Mehrfach wurde der Vizepräsident des LKA Bayern zitiert, der von „unvorstellbar schrecklichen Missbrauchshandlungen“ redet und besonders betont, dass diese „sogar an Babys“ ausgeführt wurden.

Diese Art der Berichterstattung geht über das reine Informieren über Tatsachen hinweg. Statt nur objektiv zu berichten, was passiert ist, werden die Leser:innen auf der emotionalen Ebene gepackt und dabei vor allem Fassungslosigkeit, Wut und Hass geweckt. Diese Wut und dieser Hass braucht nun aber ein Ziel, auf das es sich entladen kann. Anders als man erwarten sollte ist dieses Ziel in der Berichterstattung allzu oft nicht die Täter:innen, also diejenigen, die für die Existenz dieser kriminellen Plattform überhaupt verantwortlich waren. Stattdessen wird als Ziel für den Hass, den die emotionalisierende Berichterstattung weckt, vor allem Pädophile präsentiert.

Wie viel Pädo darf’s denn sein?

Um zu zeigen, was ich meine, präsentiere ich hier mal einen Ausschnitt der Schlagzeilen, die man zum Thema Kidflix zu lesen bekam:

  • „Großes Pädophilen-Netzwerk ausgehoben - 79 Festnahmen“ (Bayerischer Rundfunk, FAZ und viele weitere)
  • „Ermittler zerschlagen weltweites Pädophilen-Netzwerk“ (ZDF)
  • „Pädophilen-Plattform: Zehn Personen in der Schweiz verhaftet“ (SRF)
  • „Riesige Pädophilen-Plattform – Verdächtige in NRW“ (FAZ, Rheinische Post und weitere)
  • „LKA-Vize: Spur des Geldes überführt 1400 Pädophile“ (n-tv)

Um das Ausmaß dieser hetzerischen Berichterstattung genauer beziffern zu können, habe ich mir die Mühe gemacht und insgesamt 150 Artikel über das Thema gesammelt, kategorisiert und ausgewertet. Die Liste der Artikel gibt es hier zum Download (.csv). Das sind bei weitem nicht alle Artikel, die zu dem Thema erschienen sind, insbesondere habe ich alles ausgeklammert, was nicht deutschsprachig ist oder sich hinter einer Paywall befindet. Außerdem habe ich mich auf Textbeiträge beschränkt, also Radio- oder Fernsehbeiträge nicht mit betrachtet. Einige Artikel in der Liste sind sich zudem sehr ähnlich, weil es sich zum Beispiel um eine dpa-Meldung handelt, die nur leicht angepasst an mehreren Stellen veröffentlicht wurde. Die gesammelten Artikel bilden dennoch eine gute Bandbreite der Berichterstattung innerhalb der deutschsprachigen Medien zu dem Thema ab.

Von den insgesamt 150 Artikeln enthalten 121 das Fragment „Pädo“. Mehr als 80 % der Artikel bringen die Straftaten rund um Kidflix also in Verbindung mit Pädophilie. Etwa jeder dritte Artikel hat wie die oben erwähnten Beispiele etwas mit „Pädo“ sogar schon im Titel stehen. Besonders beliebt sind dabei die Formulierungen „Pädophilen-Plattform“ (71 Artikel) und „Pädophilen-Netzwerk“ (63 Artikel). Vereinzelt ist auch von „Pädophilen Inhalten“ als Bezeichnung für Kinderpornografie zu lesen (3 Artikel), sowie dem Klassiker „Pädophilen-Ring“ (5 Artikel).

Insgesamt enthält im Schnitt jedes 181. Wort in der Berichterstattung um Kidflix das Fragment Pädo. Zum Vergleich: das Wort Kinderpornografie – jenes Thema also, um das es eigentlich in dem ganzen Komplex geht – kommt ähnlich oft alle 168 Wörter vor.1 Im Durchschnitt steht in jedem Artikel 2,35x irgendwas mit Pädo. Spitzenreiter ist ein Beitrag von n-tv, in dem bei einer Gesamtlänge von gerade einmal 75 Wörtern ganze fünfmal das Wort „Pädophilie“ fällt. Insgesamt am häufigsten wird das Thema aber in einem Blick-Artikel mit Pädophilie verknüpft: 11x stößt man hier auf teils absurde Wortkreationen wie „Pädo-Ring“, „Online-Pädophilie“ oder „Pädo-Seite“.

Man könnte jetzt vielleicht davon ausgehen, dass dies vorrangig ein Problem reißerischer und unseriöser Boulevard-Blätter ist. Das ist überraschenderweise aber überhaupt nicht der Fall: ausgerechnet die BILD schafft es, in ihrem Artikel kein einziges Mal von Pädophilie zu schreiben. Im Gegensatz dazu ziehen angeblich seriöse Medien wie taz, ZDF, die Süddeutsche, die FAZ und Deutschlandfunk die Verbindung zu Pädophilie schon direkt im Titel ihrer Artikel. Lediglich die ZEIT weist als einzige in einem Hinweiskasten auf den Unterschied zwischen Pädophilie und Missbrauch hin, übernimmt dafür aber an anderer Stelle wieder eine dpa-Meldung, in der von einer „Plattform für Pädophile“ die Rede ist.

Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt: ja, einige der Vorkommen des Fragments Pädo in der Berichterstattung gehen auf das Konto des Wortes Pädokriminalität, das von einigen Journalist:innen als scheinbar neutralere Bezeichnung für Straftaten rund um Kindesmissbrauch verwendet wird. Ich habe in der Vergangenheit hier schon argumentiert, warum ich den Begriff auch für problematisch und stigmatisierend halte. Einige Artikel, unter anderem von Deutschlandfunk, der Süddeutschen und von Blick wechseln gar beliebig zwischen den Bezeichnungen „Pädophilie“ und „Pädokriminalität“ und bestätigen damit, dass „Pädokriminalität“ keineswegs hilft Pädophilie und Straftaten zu differenzieren, sondern im Gegensatz zur weiteren Vermischung der beiden Konzepte beiträgt. Aber auch, wenn man das Wort „Pädokriminalität“ und Varianten davon ausklammert, wird das Bild nicht viel besser: über zwei Drittel aller von mir untersuchten Artikel enthalten explizit das Wort „Pädophilie“.

Die beiläufige Unterstellung schlimmster Straftaten

Diese Form der verantwortungslosen und hetzerischen Berichterstattung, selbst von eigentlich seriösen Medien, macht mich wirklich wütend. Von Kidflix als einer „Pädophilie-Plattform“ zu sprechen, unterstellt, dass alle Täter:innen auf der Plattform pädophil gewesen sein müssen. Das ist schon rein objektiv falsch, denn viele Täter:innen im Bereich Kinderpornografie sind nicht pädophil. Davon abgesehen gab es auf der Plattform laut Bericht des Spiegels Alterskategorien für die Videos, die bis ins Erwachsenenalter hineinreichten, trotzdem liest man nirgendwo was von einer „Hebephilie-Plattform“ oder einem „Ephebophilie-Netzwerk“. Auch den Spiegel selber hat das nicht aufgehalten, in Bezug auf den kommerziellen Handel von Kinderpornografie reißerisch von „Pädophilie als Geschäftsmodell“ zu sprechen.

Dann ist da gleichzeitig diese ekelhafte, verabscheuungswürdige Unterstellung: dass wir alle als Pädophile ein Interesse an dem Handel mit Kinderpornografie hätten, dass wir es mögen, Kinder leiden zu sehen und dabei zuzuschauen, wie ihnen Gewalt angetan, wie sie missbraucht und vergewaltigt werden. In 46 Artikeln musste ich unter anderem in der Tagesschau lesen, Kidflix sei „eine der populärsten Plattformen für Pädophile“ gewesen – eine Formulierung, die wohl auf eine Pressemitteilung von Europol zurückgeht und von vielen Medien unkritisch abgeschrieben wurde.

Mal in Ernst, was soll das? Ich habe vor dem 02. April noch nie von Kidflix gehört und bin mir sicher, dass es den meisten Pädophilen nicht anders geht. Solche beleidigenden und boshaften Unterstellungen sind eine verachtenswerter Herabwürdigung aller Menschen, die pädophil sind und nie auf dieser Seite gewesen sind, oder eventuell sogar Betroffene der dort zu sehenden Straftaten sind. Es ist erschreckend, mit welcher Normalität und Beiläufigkeit einfach mal so allen Pädophilen ein inhärentes starkes Interesse an schwersten Straftaten nahe gelegt wird.

Um es noch einmal klar zu sagen: Kidflix war keine „Pädophilen-Plattform“. Dieser Blog ist eine Pädophilen-Plattform. Kidflix war eine Plattform für Kriminelle. Ebenso war Kidflix auch kein Pädophilen-Netzwerk. Die P-Punkte ist ein Pädophilen-Netzwerk. Kidflix war ein Netzwerk für Täter:innen.

Die Folgen der medialen Hetze

Dass sich die Berichterstattung so sehr auf die (vermeintliche) Pädophilie der Täter:innen konzentriert, hat beeinflusst natürlich die Wahrnehmung der Konsument:innen der Medien. Das betrifft, wie wir gesehen haben, alle gesellschaftlichen Mileus: vom Blick-Leser über den Tagesschau-Gucker bis hin zum Leser der Süddeutschen.

Der Fall Kidflix ist nur das jüngste Beispiel. Wann immer etwas Schlimmes im Zusammenhang mit Kindesmissbrauch aufgedeckt wird, werden diese Taten regelmäßig mit Pädophilie in Verbindung gebracht. Das war 2010 so, als die Missbrauchsfälle um die Odenwaldschule an das Licht kam ("Ein Nest von Pädophilen"); bei der Edathy-Affäre 2014 (Pädophilie-Ermittlungen: Edathy sorgt für Irritation und Empörung); 2019, als der Missbrauchsfall um Lügde bekannt wurde (Jugendamt vernachlässigte Hinweise auf Pädophilie); 2020, als der Missbrauchskomplex in Münster aufgedeckt wurde (Das erschütternde Pädophilen-System des Adrian V.); 2022, als mit Boystown eine andere Darknet-Plattform für Kinder- und Jugendpornografie abgeschaltet wurde (Boystown: Pädophile wissen, was sie tun); und zuletzt auch bei der Abschaltung der Darknet-Plattform Alice in Wonderland (Pädophile missbrauchten sogar zweijährige Mädchen). Jedes Mal lautet die Botschaft: hier ist etwas unsagbar Schreckliches geschehen, und Pädophile tragen die Schuld dafür. Immer und immer wiederholt, bei jeder Schreckenstat aufs Neue, bis diese Botschaft jeder internalisiert hat. Dass gleichzeitig nie über Pädophilie geredet wird, ohne das Thema in den Kontext von Straftaten und Prävention zu stellen, tut das Übrige dazu.

Was soll diese Berichterstattung auch anderes hervorbringen als blinden Hass gegen Pädophile? Wenn ein metaphorischer „Schlag gegen Pädophile“ medial zelebriert wird, ist es dann verwunderlich, dass Menschen bald auch ganz reale Schläge gegen Pädophile feiern?

Danach, ob die Täter:innen in solchen Fällen tatsächlich pädophil sind, fragt schon lange keiner mehr. Aber selbst, wenn dies der Fall wäre, würde dies keine Berichterstattung rechtfertigen, die sich alleine auf diesen einen Aspekt konzentriert und dabei pauschal allen, die deren Sexualität teilen ebenfalls kriminelle Absichten unterstellt. „Das ist ein großes Unrecht, das diesen Menschen damit getan wird. Das ist ähnlich, wie wenn man heterosexuelle Männer oder Frauen per se als potenzielle Vergewaltiger bezeichnen würde“, sagte dazu einst der ehemalige Pressesprecher von Kein Täter Werden, Jens Wagner, gegenüber einem öffentlich-rechtlichen Rundfunksender. Der gleiche Rundfunksender titelt nun, acht Jahre später: „Nach Schlag gegen ein Pädophilen-Netzwerk weitere Maßnahmen gegen Sexualverbrechen an Kindern gefordert“.


  1. Varianten wie Missbrauchsabbildungen oder -dokumentationen, CSAM oder ähnliches kamen in der Berichterstattung so gut wie gar nicht vor. Lediglich in fünf Artikeln ließen sich diese Wörter finden. 

CC BY-SA

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6 Kommentare

Danke, dass ihr hier so geile Arbeit macht und solche Dinge quantitativ und systematisch auseinandernehmt. Das ist super super wertvolle Arbeit. Danke! 🙏

Einige Artikel, unter anderem von Deutschlandfunk, der Süddeutschen und von Blick wechseln gar beliebig zwischen den Bezeichnungen „Pädophilie“ und „Pädokriminalität“ und bestätigen damit, dass „Pädokriminalität“ keineswegs hilft Pädophilie und Straftaten zu differenzieren, sondern im Gegensatz zur weiteren Vermischung der beiden Konzepte beiträgt.

Absolut. Es gibt ja nicht einmal eine einheitliche Definition. Und selbst wenn es die gäbe, würde es sowieso nichts ändern, weil die Implikation schon im Wort drinsteckt und daher unterbewusst immer mit Pädophilie in Verbindung gebracht wird, selbst bei Leuten die angeblich wissen, dass es hier einen entscheidenden Unterschied gibt und nicht alle Täter pädophil sind. Wie und warum sollte jemand der nicht im Thema steckt verstehen, dass "pädokriminell" nicht nur pädophile Täter meint? Das Wort stellt das jedenfalls nicht klar.

Varianten wie Missbrauchsabbildungen oder -dokumentationen, CSAM oder ähnliches kamen in der Berichterstattung so gut wie gar nicht vor. Lediglich in fünf Artikeln ließen sich diese Wörter finden.

Und auch das ist eigentlich eine Schande. Ich dachte genau das waren die Inhalte? Warum benennt die dann keiner als das was sie sind?

Weil es juristisch eben nicht so heißt.

"Pädophile Inhalte" ebenfalls nicht und doch wird so etwas genutzt. Was hat das mit irgendwas zu tun? Berichterstattung hält sich nicht zwangsläufig an "juristische" Bezeichnungen, ebenso wenig wie an medizinische, wie man sieht. Auch "Kinderpornographie", was der juristische Begriff ist, wird ja offenbar wenig genutzt, das war also nicht mein Punkt.

Ich habe die Berichterstattung über Kidflix natürlich auch mitbekommen und mir ist es auch sofort aufgefallen, dass in jedem Bericht das Wort "Pädophilie" oder "Pädophile" verwendet wurde. Ich lese seit 2-3 Jahren diesen Blog und die WSAM-Website und bin dadurch mittlerweile sehr sensibilisiert in Bezug auf Berichterstattung in den Medien oder auch in Bezug auf die Ausdrucksweise allgemein, wenn es um das Thema Kindesmissbrauch geht (z.B. auch in Kommentaren im Internet) Ich kriege jedes mal Bauchschmerzen und werde auch wütend, wenn wieder mal Pädophilie mit Missbrauch gleichgesetzt wird. Ich bin schockiert darüber, dass selbst ansonsten seriöse Medien mit dieser Ausdrucksweise immer mehr zur Stigmatisierung und zum Hass auf pädophile Menschen beitragen und ich verurteile das aufs schärfste. Das ist vom Prinzip nichts anderes als das, was die #fckAfD mit ihrer Hetze gegen Migrant*innen macht. Gerade in diesen Zeiten, in denen rechte Kräfte immer mehr erstarken, immer mehr Fakenews und Halbwahrheiten verbreitet werden, um Hass auf Minderheiten zu schüren, in denen diese widerwärtigen "Pedojäger" immer mehr aufkommen und noch im Netz dafür gefeiert werden, gerade da bräuchte es seriöse Medien, die aufklären, die sachlich und differenziert schreiben. Herrgott, machen die sich denn ihrer Verantwortung überhaupt nicht bewusst? Und noch ein paar Sätze "offtopic":Ich bin zutiefst entsetzt über die Hassbotschaften, die ihr ertragen müsst. Ich lese auch regelmäßig euren Fragebereicht auf WSAM und ich habe keine Worte dafür, was ich da manchmal zu lesen bekomme. Und ich weiß, dass ihr nur einen kleinen Teil veröffentlicht...Und mir ist bewusst, dass es für euch als direkt betroffene (ich bin "nur" ein*e Unterstützer*in) noch schlimmer sein muss. Ich kann nur sagen, dass ich absolut solidarisch mit euch bin, dass ich ein Stück weit mit euch mitfühle und ich wünschte, ich könnte mehr tun, als euch aus ehrlichem Herzen viel Kraft zu wünschen, das auszuhalten. Aber das möchte ich wenigstens tun! Solidarische Grüße, Mio

Ich danke dir für die netten Worte. Gerade, weil das meiste, was wir bekommen Hassbotschaften sind ist es umso schöner zu hören, dass nicht alle so denken.

Sirius

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Mein Name hier ist Sirius – angelehnt an den Doppelstern im Großen Hund. Ich bin etwa Anfang 30, und studierter Informatiker. Seit meiner Jugend weiß ich, dass ich mich zu Kindern besonders hingezogen fühle. Und auch wenn der Umgang damit nicht immer einfach war, so hat es mich doch auch unter anderem zu meinem Rotkäppchen geführt, mit der ich in einer glücklichen Beziehung lebe. In meiner Freizeit versuche ich einen Beitrag zur Aufklärung über Pädophilie zu leisten, mache gerne Musik und verzweifle gelegentlich an der Gesellschaft.

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Das sehe ich auch so. Die Existenz von Anti-Cs muss unbedingt im öffentlichen Bewusstsein ankommen, dass ist meiner Meinung nach eines der wichtigsten Ziele der Aufklärungs- und Entstigmatisierungsarbeit. Viele der vernünftigeren Fragesteller auf WsaM - also diejenigen, die auch wirklich über das Thema Pädophilie lernen wollen, anstatt nur sinnlose Hassnachrichten dazulassen - scheinen z. B. wirklich erst durch WsaM gelernt zu haben, dass es überhaupt Pädophile gibt, die Missbrauch und Missbrauchsabbildungen vollständig ablehnen.
Der Umgang mit der Pädophilie in unserer Gesellschaft ist aus meiner Sicht deswegen so diskriminierend und stigmatisierend, weil es in Wissenschaft, Gesellschaft und Politik grundlegende Fehlannahmen bezüglich der Pädophilie gibt. So gehen viele, auch einige Therapeuten davon aus, dass Pädophile grundsätzlich einmal Pro-C eingestellt seien, weil man die sexuelle Handlung mit einem präferierten Partner zu einem Goldstandard erklärt, was Pädophile natürlich nie machen dürfen, da sie ja sonst einen massiven Schaden am Kind verursachen. Damit dies nicht passiert, benötigt es dann eine Therapie bei einem Programm wie KTW, bei dem der Pädophile dann auf alles auch möglichst gedanklich verzichten soll, was ihm von seiner Präferenz Freude bereitet, wenn nötig auch mit Medikamenten. Wenn bei diesem dann seine Präferenz möglichst weit unterdrückt wurde, dann kann er in den Augen der Mehrheit der Gesellschaft und leider auch in der Augen von manchen Therapeuten wieder ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft werden. Dass es aber auch Pädophile gibt, die eine feste Anti-C-Einstellungen haben und sich deswegen kindliche Liebespuppen virtuelle Kinderpornographie wünschen, wo kein Kind zu schaden kommt, stört diese Bild, weil nach der Meinung auch vieler Therapeuten die Benutzung von unschädlichen Alternativen eigentlich für Pädophile nur eine Vorstufe ist, um Missbrauchsabbildungen zu konsumieren und/oder ein Kind zu missbrauchen. Mitunter fallen ja schon harmlose Nacktbildern aus Familienalben unter der Kategorie von Materialien, die von den allermeisten Menschen in Deutschland als schadlose Alternative abgelehnt werden. Somit geht in Deutschland ein Bündnis zwischen einer breiten Bevölkerungsmehrheit und einer großen Zahl von Therapeuten Hand in Hand bezüglich der Ablehnung von sexuellen Materialien mit Kindern, für die kein echter Missbrauch vorliegt, obwohl es für diese Haltung wissenschaftlich keine fundierten Studien gibt. Natürlich gibt es auch Therapeuten, die dies anders sehen, nur haben die in Deutschland leider überhaupt keinen Einfluss auf die Stimmungslage und die gesetzliche Lage, genauso wenig wie wir Anti-C-Pädophile. Dem Kinderschutz ist damit überhaupt nicht geholfen, vielmehr gefährdet eine solche Haltung auch den Kinderschutz, weil sie Pro-C-Einstellungen fördert, nach der es keinen Unterschied macht ob ich ein Bild von einem echten Missbrauch konsumiere oder ein virtuell erzeugtes Bild, für das eben kein Kind missbraucht wurde. Ich hoffe daher, dass einmal unsere Argumente mehrheitsfähig werden, habe aber meinen Zweifel daran, weil die Gegenseite bisher mit einer überwältigenden Mehrheit dagegen hält. Dabei möchte ich ausdrücklich betonen, dass nicht für jeden Pädophilen kindliche Liebespuppen oder virtuelle Kinderpornographie gut wäre. Allerdings kann der Rechtsstaat aus meiner Sicht nicht einfach Verbote erlassen, weil einige damit nicht umgehen können, andere aber sehr wohl. Denn der entscheidende Faktor muss sein, ob eine geschädigte Person vorliegt und dies ist bei beiden Gruppen von Ersatzmaterialien nicht der Fall.
Weil es eklig ist. Diese Ablehnung ist im Prinzip nichts anderes als das was Homosexuelle früher ertragen mussten, wo ihnen unterstellt wurde das sie Kinder und Jugendliche "verführen" würden. Es ist unmöglich eine Sexualität zu entstigmatisieren, wenn man Gleichzeitig jede Form der sexuellen Stimulation verteufelt und mit Medikamenten unterdrücken möchte. Wie stellt sich das Beier denn so vor? Ich bin weder nach ICD-11 "gestört" noch möchte ich Sex mit Kindern, aber ich darf trotzdem nicht für einen verantwortungsvollen Umgang mit meiner Sexualität kämpfen? Das ist bereits lt. Beier eine "gefährliche Entwicklung", oder wie er damals sagte "eine gefährliche Evolutiond er Pädophilie"? Wenn man der Meinung ist das man wirklich jedes Ersatzmaterial verbieten, verteufeln und ablehnen muss, dann wird man weder die große Masse an Pädophilen erreichen noch für eine Enstigmatisierung sorgen. Man kann so eine absolute Abstinenz nicht erwarten, wenn ich sehe wie andere Staaten mit diesen Grundrechten umgehen, wie aktuelle Studien das Gegenteil beweisen und was für ein immenser Eingriff es in meine Autonomie ist. Beier verkennt das Recht eines Individuum und stülpt seine Befürchtungen jedem Kollektiv über. Das ist nichts anderes als Menschenverachtend. Forschung in die Richtung interessierte ihn nie und die Puppenstudien werden ignoriert und zur Seite gewischt. Wenn man so auf empirische Studien reagiert, dann soll man gefälligst selber forschen und nicht Verbote befürworten ohne jemals jenen Komplex erforscht zu haben.
Auf sowas kommen die von ganz allein. Ein Argument bleibt ein Argument, ob es stichhaltig ist oder nicht, darf jeder selbst entscheiden.
Diese Argumente das Fiktion zu Missbrauch führt ergibt absolut keinen Sinn. Warum sollten Pädophile diese Dinge denn fordern, wenn es angeblich keine Rolle spielt????? Es wäre doch einfacher auf Missbrauchsabbildungen zu greifen statt für Fiktion zu kämpfen????