Eine unbeschwerte(re) Kindheit

Es handelt sich hier um eine von mir verfasste fiktive Geschichte, die lose an die Kindheit meines früheren Freundes angelehnt ist. Ich habe sie schon einmal in einem anderen Kontext veröffentlicht, finde sie aber auch ganz passend für KiH, weshalb ich sie hier noch einmal mit den Leuten teilen möchte. Ein paar Kleinigkeiten habe ich etwas überarbeitet.

An diesem Tag wurde ich durch das ungewöhnlich laute Gezwitscher der Vögel geweckt. Ich kniff die Augen zusammen und wollte mir meine Decke über den Kopf ziehen um noch ein wenig weiterschlafen zu können, doch griff dabei ins Leere – 'Wohl schon wieder vom Bett gefallen', dachte ich bei mir, kauerte mich zusammen und schlang fröstelnd die Arme um meine Beine um mich auf diese Art zu wärmen. Schlimmer noch, als die Tatsache, dass meine Decke nicht da war, war jedoch diese unbequeme Matratze. War die schon immer so hart gewesen...Und wieso fühlte sie sich auf einmal so kühl an?

Ich rieb mir den Schlaf aus den Augen und sah mich verwirrt um. Kein Bett. Nicht einmal in meinem Schlafzimmer befand ich mich. Ich setzte mich auf, unter mir feuchtes Gras. 'Wo bin ich?' fragte ich mich und versuchte mich krampfhaft zu konzentrieren, betrachtete die hohen Bäume um mich herum. Nichts kam mir bekannt vor, aber das war bei meinem schlechten Orientierungssinn auch nicht weiter verwunderlich. Na wenigstens trug ich nicht mehr meine Schlafsachen und hatte straßentaugliche Schuhe an, selbst meine Tasche hatte ich dabei.

Reflexartig wühlte ich in meiner Tasche nach meinem Handy. Ha, da war es ja! Ein Blick auf den Bildschirm sagte mir allerdings, dass ich keinen Empfang hatte - Nicht einmal schlechten, das Symbol war durchgestrichen...Typisch.

Ich stand auf und irrte ein wenig umher bevor ich in der Ferne ein Haus erkannte. Noch etwas zu schlaftrunken um in sofortige Panik zu verfallen stolperte ich durch den Wald und erreichte bald das besagte Haus. Ich ging zur Tür und schaute auf den Namen unter der Klingel, in der Hoffnung es kämen so vielleicht ein paar Erinnerungen zurück welche mir entfallen sein mussten.

Ich las ihn bestimmt dreimal, bevor mein Gehirn realisierte was dort stand, dann traf es mich wie ein Schlag und ich war auf einmal hellwach. Es war der Nachname meines Freundes. Aber das konnte nicht sein, der wohnte in einem anderen Bundesland und schließlich bin ich eben gerade noch in meiner Wohnung gewesen und habe mich schlafen gelegt. Gleich nachdem Felix und ich uns eine gute Nacht am Telefon gewünscht haben.

'Träume ich noch?...Ist das vielleicht so ein Klartraum?' stellte ich mir die Frage, denn tatsächlich fühlte sich das Ganze hier sehr real an. Ich entfernte mich wieder etwas vom Haus und schlich in Richtung des Waldes um nicht zu riskieren, dass ich entdeckt werden würde und mich dann erklären müsste.

Zuerst kniff ich mir fest in den Arm und konnte keinen Unterschied feststellen. Aber vielleicht reichte das nicht, immerhin konnte man ja durchaus im Traum Schmerz empfinden. Ich konzentrierte mich und sprintete los, setzte dabei bewusst einen Fuß vor den anderen um zu sehen ob ich mich in normaler Geschwindigkeit vom Fleck bewegte...Was ich tat. Selbst alle meine zehn Finger waren vorhanden. Tatsächlich schien alles normal zu sein.

Als ich aus den Augenwinkeln eine Bewegung neben mir wahrnahm drehte ich mich erschrocken zur Seite. Dort stand ein Junge wie angewurzelt und beäugte mich skeptisch. Ich wurde wohl schon länger beobachtet...'Was macht das Kind denn hier?' fragte ich mich selbst und betrachtete den Jungen genauer – ich schätzte ihn auf etwa fünf bis sechs Jahre, aber so genau wusste ich das nicht. Er hatte blondes Haar, trug eine kurze grasgrüne Hose mit Taschen an den Seiten und ein einfaches hellblaues T-Shirt, dazu Turnschuhe die ihre beste Zeit schon hinter sich hatten.

"Äh, hallo. Was machst du denn hier?" fragte ich ihn schließlich und streckte mich um die peinliche Situation zu überspielen.

"..Ich wohn' hier." erwiderte er nach einer Pause und starrte mich weiter an.

"Stimmt, was für eine blöde Frage, darauf hätte ich auch selbst kommen können, oder? Äh- Moment...Du meinst in dem Haus da drüben?" fragte ich ungläubig und überlegte. Genau, den Namen gibt es sicherlich nicht nur einmal in Deutschland, das musste es sein. Ein komischer Zufall, aber eben doch nur ein Zufall.

"Ja, das ist das Haus von meiner Mutter. Wer bist du denn?" fragte er ein wenig scheu. Ich wusste ja selbst nicht einmal wie ich hierhergekommen war, geschweige denn wie ich wieder nach Hause kommen sollte.

"Alsoo...Du kannst mich einfach Rubi nennen, okay?" hielt ich es relativ anonym und fragte auch ihn nach seinem Namen.

"Okay. Ich bin Felix" stellte er sich vor und scharrte, wohl aus Nervosität, mit einem Fuß auf dem Boden herum. Ich erstarrte einen Augenblick, in dem ich realisierte, dass es sich bei diesem Jungen tatsächlich um die jüngere Version meines Freundes handelte. Jetzt wo ich ihn mir genauer ansah erkannte ich auch die Ähnlichkeit. Verblüffend, dass es mir nicht sofort aufgefallen war..

Ich wusste nicht was ich in diesem Moment fühlen oder denken sollte und entschied mich dazu meine Rolle in diesem Klartraum von nun an einfach mitzuspielen, denn warum eigentlich nicht.

"Hast du Lust mit mir Frösche jagen zu gehen?" fragte ich den etwas verloren wirkenden Jungen und schenkte ihm ein Lächeln.

"Auja! Ich weiß auch wo welche sind..." rief er freudig und lief schon einmal vor. Ich folgte ihm bis zu einem kleinen, verwilderten Tümpel und setzte mich dort auf einen der alten Baumstämme. Der schüchterne Junge verlor mehr und mehr seine Scheu und fing munter an zu plappern.

"Hier bin ich sonst immer mit meiner Schwester, aber die ist jetzt oft beim Schwimmen und..." erzählte er aufgeregt, wurde dann aber von einem lauten Quaken unterbrochen.

"Oh, schau mal..." ich streckte die Hände aus um nach dem dicken Frosch zu greifen, ließ ihn aber vor Schreck sofort wieder fallen, als ich seine schleimige Haut berührte. Ich schüttelte mich vor Ekel. "Ewwww......." entfuhr es mir.

Felix begann lauthals zu lachen und fing den Frosch, welcher schon auf dem Sprung war wieder in den Tümpel zu fliehen, mit seinen kleinen Händen und wie ein echter Profi wieder ein.

"Du entkommst mir nicht!" mit diesen Worten watschelte er dem Frosch hinterher und hielt ihn mir wenig später breit grinsend vors Gesicht.

"Super gemacht!" lobte ich ihn und strich dem Frosch mit dem Zeigefinger über den Kopf, welcher daraufhin abwechselnd mit seinen Augen zwinkerte. Ich nahm einen schmutzigen Plastikeimer der am Ufer stand und füllte ihn mit ein wenig frischem Wasser. Eine Plastikschaufel lag daneben, mit dieser schaufelte ich noch etwas Schlamm in den Eimer, damit der Frosch nicht ertrank und ließ Felix ihn hineinsetzen.

Auch ich wurde mit der Zeit mutiger und half beim Einfangen der Tiere. Wir fingen einiges an diesem Tag, darunter kleinere Eidechsen, Kellerasseln, Schnecken in unterschiedlichen Formen und Farben und auch eine bräunliche Kröte mit warziger Haut war dabei. Die meisten Tiere entwischten im Laufe der Zeit wieder, aber die restlichen befanden sich nun in dem vielzu kleinen Eimer. Stolz betrachteten wir unseren Erfolg.

"Vielleicht sollten wir sie wieder freilassen, meinst du nicht?" schlug ich Felix vor, welcher nach der stundenlangen Jagd allmälich müde wirkte.

"Okaay..." meinte er ein wenig enttäuscht darüber die verbliebenen Frösche und Co. nicht behalten zu können und gähnte laut. Er kippte den Eimer am Ufer aus und beobachtete wie die Tiere ihrer Wege hüpften und krochen.

"Das hat Spaß gemacht heute. Ich glaub ich muss jetzt aber nach Hause...Kommst du morgen wieder?" fragte er, aber seine Worte klangen etwas traurig.

"Aber klar doch" erwiderte ich ohne groß darüber nachzudenken und winkte dem Jungen noch mehrfach nach als dieser nach Hause lief und sich hin und wieder dabei umdrehte. Der kleine Felix war echt niedlich und ich spürte wie mein Herz augenblicklich schneller schlug.

Bald würde ich bestimmt aufwachen und das hier als angenehmen Traum in Erinnerung behalten. Jetzt wäre so ein Moment zum Aufwachen, oder nicht? Ich blickte auf mein Handy. '19:32Uhr'. Ich legte mich ins Gras und genoss die letzten Sonnenstrahlen des Tages...Dann schaute ich erneut auf mein Handy – gerade konnte ich noch sehen wie die Zeit von 19:59Uhr auf 20Uhr sprang..

Am nächsten Tag wachte ich tatsächlich wieder in meiner Wohnung auf und fühlte mich erholt. Alles war wie immer. "Fast schon schade..." murmelte ich enttäuscht. Den Tag verbrachte ich damit abzuwaschen, zu kochen, staubzusaugen und was sonst noch so an lästigen Pflichten anfiel. Und natürlich mit Felix – dem echten - per Skype. Wir schauten uns zusammen eine Serie an und plauderten über dies und das, allerdings erzählte ich ihm nichts von meinem Traum. Am Abend war ich früher müde als sonst, also machte ich mich bettfertig und kroch zügig unter meine Decke. Mein Stofffaultier im Arm haltend schlief ich entspannt ein.

Als ich aufwachte fand ich mich unerwarteterweise in dem Waldstück vom Tag zuvor wieder. Seltsam zweimal das gleiche zu träumen fand ich, machte mir aber nichts daraus, eigentlich freute ich mich sogar etwas darüber und hoffte in diesem Klartraum wieder so aktiv mitwirken zu können. Schließlich suchte ich mir einen Platz in der Nähe des Hauses der mir bequem erschien, setzte mich und wartete dort bis sich die Haustür langsam öffnete.

"Hey Felix!" begrüßte ich ihn freundlich als ich ihn erkannte und winkte. Als er mich ebenfalls bemerkte lief er auf mich zu, noch immer trug er die selben Sachen wie am Tag zuvor.

"Du bist da...Ich dachte schon du kommst mich nicht nochmal besuchen..." sagte er leise und sah mich mit seinen großen, blauen Augen trübselig an.

"Natürlich. Ich hab's doch versprochen, oder?" sein Gesicht erhellte sich daraufhin wieder etwas und ich begann ihn mit den Fingern in die Seiten zu pieksen bis er vor Lachen fast quietschte. Ich hatte schließlich erbarmen, ließ ihn los und fragte ihn erheitert:

"Was machen wir denn heute schönes?"

"Ich will dir was zeigen!...Aber warte....Ich muss noch was holen" antwortet er aufgeregt und lief zurück ins Haus. Als er wiederkam ergriff er meine Hand und zerrte mich hinter sich her. "Komm mit!"

Mein Herz machte erneut einen Hüpfer als er seine zierliche Hand um meine legte und ich ließ mich von ihm brav hinter sich herschleifen. Wir gingen ungefähr 10 Minuten bis wir endlich da waren.

"Okay, was möchtest du mir hier zeigen?" fragte ich ihn verwundert, denn der Waldabschnitt sah für mich genauso aus wie der restliche auch. Der Junge grinste mich an, schob einen dezent platzierten Haufen Zweige zur Seite und legte damit einen Höhleneinstieg frei.

"Davon weiß sonst nur meine Schwester, aber die ist noch zu klein...Ich will nicht, dass sie sich wehtut..." erklärte er mir ein wenig betrübt. Er war eben ein fürsorglicher großer Bruder.

"Oh...Warst du da schonmal drin? Ganz alleine?" fragte ich erstaunt.

"Ja, aber nur ganz kurz...Da geht es richtig tief rein!" "Ganz schön mutig" erwiderte ich mit Bewunderung. Er zog die Taschenlampe aus seiner Hosentasche und leuchtete in die Höhle hinein. "Kommst du mit, Rubi?" er sah mich gespielt schmollend an. So ganz geheuer war mir das Ganze nicht, aber ich wollte ihm nicht den Spaß verderben und außerdem...War es ja nur ein Traum....Was sollte schon passieren? Ich nickte immernoch etwas widerwillig und ließ dem jungen Mann gerne den Vortritt.

Ich folgte ihm und meine Platzangst machte sich bemerkbar. Es war eng, dunkel und wir mussten kriechen um vorwärts zu kommen. Ich konnte kaum mehr als den Umriss von dem Jungen erkennen, denn das Licht der Taschenlampe blendete mich eher als, dass es mir beim Sehen half. Ihn schien das aber nicht zu stören, denn er kroch immer weiter in die Höhle. Gerade als ich fragen wollte ob wir nicht lieber umdrehen wollten hielt er an.

"Hier gibt es zwei Wege, welchen nehmen wir?" fragte er und leuchtete mich mit der Taschenlampe an, so dass ich die Augen zusammenkniff.

"...Den leichteren?" fragte ich trocken zurück, allerdings weniger ernstgemeint als es klang.

"Aber das macht doch gar keinen Spaß..." erwiderte der Blondschopf beleidigt und schien dann, gedanklich eine Art 'Ene mene mu' durchzugehen, nuschelte dabei allerdings vor sich her.

"Ich glaube der hier ist gut" meinte er schließlich, überzeugt von seiner Entscheidung und kroch in die linke Abzweigung. Hoffentlich würden wir uns nicht verirren. Die anfangs erdigen Höhlenwände waren mittlerweile in grobe Felsen übergegangen.

Als wir um die nächste Kurve kamen und mir langsam schon die Knie vom Kriechen schmerzten stand Felix auf – der Gang führte in einen größeren Hohlraum. Ich versuchte ebenfalls aufzustehen, stieß mir aber den Kopf an der Höhlendecke. Naja, wenigstens konnte ich wieder laufen, wenn auch nur gebeugt. Felix änderte die Einstellung der Lampe, so dass das Licht breiter gestreut wurde und hielt sie in den Raum hinein. Die grauen Felsen wirkten rau und natürlich, nicht wie von Menschen bearbeitet und waren teilweise mit kleinen Ranken bewachsen die sich nach oben hin ausbreiteten. An einer Wand lief ein kleines Rinnsal Wasser hinab und versickerte zwischen den Steinen auf dem Boden.

"Wow, cool..." staunte Felix begeistert.

"Ja, echt schön hier" brachte ich nach einer Weile heraus und war froh, doch nicht zu früh aufgegeben zu haben. Ich kramte in meiner Tasche herum und fand darin tatsächlich eine kleine Packung Schokokekse, welche wir gemeinsam vernichteten.

Als die erste Aufregung verflogen war, wurde es allmälich kühl in der Höhle also zog ich Felix meine Kaputzenjacke über. Sie reichte bei ihm fast bis auf den Boden, aber so blieb er wenigstens warm.

"Wir sollten dich langsam nach Hause bringen, deine Eltern machen sich bestimmt...Ah, schon gut" beendete ich meinen Satz nicht wie geplant und versuchte ein aufmunterndes Lächeln herauszubringen.

"J-ja..." antwortete Felix zitternd. Ich kroch voran durch den dunklen Gang, die Taschenlampe in der Hand, gefolgt von dem kleinen Kaputzenmonster.

Ich begleitete Felix noch bis zur Haustür, nahm ihm die Jacke wieder ab und gab ihm ein kleines Abschiedsküsschen auf den Kopf.

"Bis morgen, Rubi" murmelte er glücklich bevor er ins Haus ging. "Bis morgen" entgegnete ich zufrieden. Er würde heute bestimmt gut schlafen können.

Die nächsten Tage verliefen ähnlich, ich wachte zu Hause auf und lebte meinen Alltag, aber wenn ich mich abends ins Bett legte befand ich mich wieder in meinem Klartraum, so dachte ich zumindest.

Ich wusste nicht warum ich hier war, aber der Kleine und ich hatten zusammen viel Spaß. Wir spielten fangen, verstecken, fingen Kaulquappen, erkundeten die Höhle weiter und er zeigte mir seine Lieblingsorte im Wald. Ich genoss diese Zeit mit dem kleinen Felix sehr und so langsam kam ich zu der Überzeugung, dass diese 'Träume' kein bloßer Zufall waren. Sie waren einfach zu real und mehrere Wochen über den gleichen Traum in korrekter Reihenfolge weiterzuträumen erschien mir mehr als seltsam. Doch wenn es keiner war, was war es dann? Ich wusste es nicht und zum Glück fragte Felix' früheres Ich mich auch nie wo ich denn wohnte oder wohin ich ging.

Über all das dachte ich nach, als ich auf einmal hörte wie die Haustür wütend zugeschlagen wurde. Felix blieb einen Moment vor der Tür stehen und sah bekümmert aus. Ich lief zur Tür und wollte ihn abholen, aber er wirkte als wäre er geistig gar nicht richtig anwesend.

"Oh nein...Was ist passiert?" fragte ich ihn vorsichtig. Er wand seinen Blick beschämt von mir ab, doch ich konnte seine blauen Flecken im Gesicht trotzdem sehen.

Er schwieg und die Fröhlichkeit die ich so an ihm mochte schien wie weggeblasen. Ich fragte nicht mehr und so gingen wir stumm zu dem kleinen Tümpel mit den Fröschen. Wir setzten uns auf den moosigen Baumstamm und jeder hing seinen eigenen Gedanken nach. Der Himmel war mit dunklen Wolken durchzogen und es begann ein wenig zu nieseln. Ich winkte den Jungen zu mir heran, zog meine Jacke aus und breitete diese über unseren Köpfen aus, damit wir einigermaßen trocken blieben. Felix rückte ein Stück näher zu mir und lehnte sich an mich. Ich zog ihm die zu große Kaputze über den Kopf und strich ihm beruhigend über seinen Rücken, woraufhin er zusammenzuckte und leise zu schluchzen begann.

"Pschh...Alles wird wieder gut..." flüsterte ich etwas unbeholfen und ergänzte gedanklich ein 'Eines Tages'. Ich ließ ihn sich an meiner Schulter ausweinen und wische ihm mit dem Daumen die Tränen aus seinem Gesicht. Dann zog ich ein Taschentuch aus meiner Hosentasche hervor und hielt es ihm an seine verschleimte Nase damit er sie putzen konnte. Langsam entspannte er sich tatsächlich und kuschelte sich sogar an mich heran. Ich hielt ihn im Arm und streichelte dabei zärtlich über sein weiches, blondes Haar.

Was sollte ich bloß tun? Ich konnte ihn nicht retten, ich musste zusehen wie diese Geschichte, deren Ausgang ich ja bereits kannte, weiter ihren Lauf nahm. Aber vielleicht...Könnte ich ihm wenigstens ein paar wenige liebevolle Momente in seinem jungen Leben schenken. Könnte ihm zeigen, dass es Menschen gibt die ihm kein Leid zufügen wollten und für die er wichtig war.

"Ich hab dich lieb, Rubi..." nuschelte er verlegen und riss mich damit aus meinen kreisenden Gedanken.

Ja, vielleicht...Wäre das ein Anfang.

"Ich hab dich auch sehr lieb, Felix...mehr als du ahnst" erwiderte ich schmunzelnd und gab ihm einen sanften Kuss auf seine Stirn.

Ich wusste jetzt warum ich hier war und würde ihm von nun an so gut ich konnte beistehen.

1 Kommentar

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Der Seebär

Ich finde, das ist eine wunderschöne Geschichte, toll und detailliert erzählt, so dass sie ohne Anstrengung direkt mit hübschen Bildern in meinem Kopf abgelaufen ist. :)

Gerade eben, weil auch nicht alles "Friede, Freude, Eierkuchen" ist, sondern durchaus auch negative Aspekte und Unsicherheiten aufgegriffen werden, die in den meisten Leben einfach vorhanden sind und so die Geschichte noch viel lebendiger machen.

Ich würde mir gern eine Beziehung zu einem Kind auf ähnlicher Art und Weise wünschen und konnte mich aus diesem Grund vielleicht auch so gut in beide Figuren hineinversetzen.

Ich frage mich, wie die Beziehung zwischen Rubi und Felix wohl weitergehen würde. Vielleicht kann ich davon ja eines Nachts mal träumen :)

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