Ein schwerer Abschied

Wie einige die mir schon etwas länger folgen eventuell mitbekommen haben, war ich bis zum Start der Anti-Puppen-Kampagne sehr still auf Twitter. Und für die, die es nicht tun, ja vor dem Gesetz hatte ich einen Account mit, wenn es hoch kommt, 30 Tweets. Heute habe ich einen 2. und mehr als 1000. Bis zu diesem Gesetzesentwurf habe ich mich rausgehalten und die Allgemeinheit machen lassen. Die Regelungen betrafen mich nicht besonders und ich war mit ihnen im großen und ganzen einverstanden. Ich habe Deutschland, die Regierung und diese Regelungen sogar mehrmals verteidigt.

Das änderte sich mit dem Gesetzesentwurf. Seit ca. 5 Jahren habe ich den Wunsch mir eine Puppe mit kindlichen Zügen zu holen. Aufgrund von finanziellen aber auch räumlichen Gründen habe ich das jedoch nie getan. Zu gewissen Zeiten war der Plan mir irgendwann eine solche Puppe zu holen mein großes Ziel, in gewisser Weise der Faden der mich am Leben hielt. Dieser Faden ist nun gerissen. Ich habe über dieses Hobby eine Menge Freunde und Bekannte getroffen. Fotografen, wahrliche Künstler welche immer aufs neue ihre kleinen Freundinnen abbilden und ihre Persönlichkeiten in einer einzigartigen Art und Weise herausstellen.

Der Discord-Channel über den der Kontakt ablief hat hierbei alleine zwei Channel nur für die Vorstellung und Hintergrundgeschichten zu den Puppen. Außerdem diverse Channel für gewöhnliche Fotos und Themenwettbewerbe. Bei letzterem handelt es sich um Motivideen zu denen alle mit einer Puppe ein Foto machen und dieses dann online stellen - wer die meisten Votes bekommt gewinnt.

Die resultierenden Fotos sind jedes mal erstaunlich. Seien es die süßen Abenteuer der kleinen Chibis im Garten, die neuesten Modeling Sessions von bekannten Puppen, wie immer in den typischen Jeans. Dem alltäglichen Chaos bei einigen der Besitzer von Unmengen an Puppen. Das alljährlich immer größer werdende Familienfoto einer Person dort oder die maßgeschneiderten Klamotten. Die neuesten Tattoos und Verzierungen an der kleinen Puppe unser Quotenfrau oder auch die bis ins kleinste Detail durchgeplanten und positionierten Fotosets eines bestimmten Mitglieds.

Für viele dort ist die Persönlichkeit der Puppe ein immens wichtiger Teil des Ganzen. Sie ist ausgearbeitet, stellenweise über Jahre hinweg mit eigenen Geschichten, bis hin zu eigenen Moralvorstellungen. Ob Schüchtern, frech, neugierig, neunmal klug oder aufbrausend. Mit eigenen Problemen, Vorlieben und Wünschen. Einer vollumfänglichen eigenen Persönlichkeit eben. Und die “Besitzer” … welche den Begriff hassen, aber es fehlt mir leider an einem anderen Wort, sorgen für sie. Nichts ist für sie schlimmer als der Gedanke, dass ihren Puppen etwas geschehen könnte. Flecken und Risse sind Weltuntergänge und müssen sofort behandelt werden.

Eine solch lange, innige Verbundenheit zu dieser Gruppe aufgeben zu müssen, schmerzt. Eine Hoffnung die einst der Grund für das Weitermachen, für das Aufstehen am Morgen und das Schuften bis in die Nacht war, ebenso. Diese Erinnerungen, die Freundschaft zu den Personen, klein wie auch groß, zu dieser rein virtuellen großen Familie, werde ich nie vergessen. Doch dieses Gesetz zwingt mich die Verbindung zu trennen. Den Traum aufzugeben. Beim Schreiben dieser Passage kommen mir die Tränen. Und ich will ehrlich sein, bevor ich angefangen habe mich gegen dieses Gesetz zu wehren wollte ich aufgeben. Doch ich werde weiter machen für ein Ende dieses Gesetzes. Oder bis ich mein Ende finde. Wollen wir hoffen, dass erstes früher Eintritt.

6 Kommentare

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David

Das hat mich echt getroffen. Ich selbst bin nur bedingt betroffen. Ich hatte nie das Bedürfnis, mir eine Puppe zuzulegen. Das hat sich ein wenig geändert, seit ich gehört habe, dass es jetzt auch vermehrt Jungspuppen gibt. Aber immer noch ist der Wunsch danach zwar vorhanden, aber nicht groß.

Dennoch kann ich mich total in das einfühlen, was du schreibst. Und es macht mich wütend. Wie kann dieser Staat es wagen, seinen Bürgern etwas zu versagen, das ihn schlicht und ergreifend nichts angeht? Wie kann der Staat es wagen, sich in die privaten Entscheidungen seiner Bürger einzumischen? Und vor allem: Wie kann der Staat es wagen, diesen Schritt zu gehen und Menschen einer ihrer letzten Freuden zu berauben, denen man ohnehin schon nicht mehr als den Dreck am Boden zugesteht?

Eine Schande und ein Armutszeugnis für dieses ach so gelobte Land.

Ist bekannt

Ein ehrbares Vorhaben, doch nicht nur du befürchtest das Schlimmste... Ich denke das Gesetz wird so wie bereits bekannt seine Gültigkeit erhalten, selbst bei einer möglichen Änderung wird den Dolls keine Beachtung geschenkt, leider :-( Es gibt einfach Spieler auf dieser Welt die haben 4595 Gründe warum die Sexpuppen das Gemeinwohl gefährden, und wir können nichts dagegen tun, weil wir zu diesem Spiel nicht eingeladen wurden, und auch keiner die Eier hat zu fragen ob wir mitspielen dürfen, mich leider eingeschlossen... Wir können nur hoffen.

Gast888

ist das Gesetz denn schon durchgewunken oder warum sprichst Du mit so einer Endgültigkeit? Selbst wenn es durchgewunken ist bleibt die Frage wie es zu kontrollieren ist? Wer bestimmt denn nun also welches Verhältnis also die Körpergröße zum Brustumfang haben darf?

Geschworene die aus zusammengewürfelten Menschen bestehen und die darüber entscheiden sollen was "kindlich" ist und was nicht. Schwierig wenn man vielleicht über einen angeklagten Rollstuhlfahrer urteilen muss der angibt die 1 Meter Puppe gekauft zu haben weil er keine Schwerere handeln kann.

Solch ein Mensch könnte den Geschworenen sagen dass er ohnehin als Behinderter sein Leben lang diskriminiert wurde und genau jetzt müssen die Geschworenen also den Rollstuhlfahrer für lange Zeit in den Knast schicken und wissen dass er sein restliches Leben als "vermeidlicher Pädo" nie mehr einen Job bekommt und für immer sozial ausgegrenzt wird Aufgrund des Urteils der Geschworenen.

Bei so einem Prozess würde ich gerne als Zuseher mit dabei sein.

Was wenn eine Puppe aufgegriffen wird die einen Meter groß ist, aber eine rießen Oberweite hatte. Nun, jetzt hat sie eine flache Oberweite weil der Besitzer das Messer gezückt hatte. Im angezogenen Zustand aber nicht mehr von einer "Kindersexpuppe" als Originale zu unterscheiden. Muss nun der Besitzer mit dem Urteil für immer sozial ausgegrenzt werden oder nicht?

Und der andere Doll Besitzer der das Gleiche mit seiner 140 cm Puppe getan hat, sollte der verurteilt werden oder nicht? Es sind doch vor dem Gesetz alle gleich oder? Die 140 cm Doll könnte eine Minderjährige darstellen die der Besitzer gemeuchelt hat und vielleicht eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt.

Und was passiert mit der Puppe des Herrn XY. Sie ist durch einen Zufall bei einer HD gefunden worden, sie ist zwar nur 120 cm groß und hat eine rießen Oberweite und wird von deutschen Puppenverkäufern legal auf Webseiten angeboten. Doch Herr XY hat der Doll eine Kinderstimme verpasst aus einem Tonbandgerät das er eingebaut hat da er sehr geschickt ist. Dass er unter Knochenschwund im fortgeschrittenen Stadion leidet ist eine weitere Sache da er dadurch max 3 kg. heben kann. Er wird bald sterben und die Puppe war sein Ein und Alles. Diesen Menschen in die Augen zu sehen während die Geschworenen oder der Richter das Urteil "für immer sozial ausgegrenzt zu werden" fällen dürften nur die Härtesten und kältesten Herzen überstehen.

Sollten die Geschworenen den kranken Mann also mit voller Härte ins soziale Aus schicken und ihm auf diese Weise ihn ordentlich eins mit geben oder nicht?

Alleine bei den 3 Bsp. sieht man in welches Fahrwasser sich der angeblich so soziale deutsche Staat manöveriert. Der Staat wird sich bei Verabschiedung solch eines Unrechtsgesetzes der Ethik und der Moral schuldig machen in einem Ausmaß wie es in Deutschland lange nicht mehr gegeben hat und das alles wie immer im Namen des Kinderschutzes. Doch das Einzige was geschützt wird ist die Wiederwahl der Politiker und der Geldfluss der Kinderschutzorganisationen.

Gegen solche Gesetze hilft nur Widerstand und nicht aufgeben.

[Teil von der Moderation entfernt]

Der Seebär

Bei so einem Prozess würde ich gerne als Zuseher mit dabei sein.

Das wird nicht möglich sein, da in Deutschland ausschließlich Richter Urteile fällen und es keine Geschworenen gibt.

Ich stimme dir in einem Punkt 100% zu, und zwar, dass dieses geplante Gesetz (im Besonderen der geplante neue §184l) eine riesige Ungerechtigkeit ist und die Gründe, die es rechtfertigen sollen, äußerst fragwürdig sind (um es einmal vorsichtig zu formulieren).

Deine genannten Beispiele kann ich persönlich allerdings aber auch nicht wirklich nachvollziehen, da sie meiner Meinung nach das Thema nur sehr am Rande berühren und ich das Gefühl habe, du versuchst eher krampfhaft, eine weniger stigmatisierte Gruppe Menschen (die von der Gesellschaft eher Mitleid erfahren dürfte, wenn ihr Unrecht geschieht - wie eben Menschen mit Behinderungen) dafür zu "missbrauchen", um zeigen zu wollen, dass das Gesetz ungerecht ist.

Allerdings spielen alle 3 Beispiele absolut keine Rolle[*], wenn man das geplante Gesetz genauer betrachtet. Schauen wir doch mal, was da im geplanten Paragrafen 184l StGB steht:

[...] eine körperliche Nachbildung eines Kindes oder eines Körperteiles eines Kindes, die nach ihrer Beschaffenheit zur Vornahme sexueller Handlungen bestimmt ist, herstellt, anbietet oder bewirbt oder [...]

Eine Sexpuppe, die große Brüste hat, wird auch nach Amputation dieser nicht wie ein Kind aussehen (sie wird viel mehr kaputt aussehen, weswegen ich bezweifle, dass jemand überhaupt auf diese Idee kommen würde), unabhängig wie groß sie nun ist. Die Brust ist nicht das einzige Merkmal, worin sich Mädchen von Frauen unterscheiden.

Des Weiteren ist explizit die körperliche Nachbildung erwähnt, was auch das Beispiel mit dem Tonbandgerät disqualifiziert. Zudem ist gerade die Stimme noch viel schwieriger einem Alter zuzuordnen, gerade wenn man bedenkt, dass sehr viele Synchronsprecherinnen, die Kinder sprechen, bereits erwachsene Frauen sind.

Um es zusammenzufassen: ich bin mir sicher, dass es auch zukünftig für Menschen mit Behinderungen möglich sein wird, passende Sexpuppen legal zu erwerben und zu besitzen!

Eine viel spannendere Frage wäre allerdings, inwiefern es später in der Urteilsfindung eine Rolle spielt, ob bei dem Besitzer einer Puppe (die möglicherweise als "grenzwertig" angesehen wird) eine Pädophilie diagnostiziert wird oder nicht. Hier würde dann eher die riesige Ungerechtigkeit beginnen, wenn dort dann mit zweierlei Maß gemessen würde, aber dies hat erstmal nichts mit dem Gesetz als solches zu tun.

Wie gesagt, ich erachte diesen geplanten Paragrafen auch für absolut falsch, finde aber persönlich deinen Kommentar auch am Thema vorbei.


[*] Natürlich kann man vorher nie wissen, wie am Ende das Gesetz genau aussieht und wie es ausgelegt wird, ändert jedoch nichts daran, dass ich persönlich die Beispiele für äußerst unpassend halte.

luerker

ja wie Seebär schon gesagt das wichtige ist das darstellen eines Kindes. Eine Scheinminderjährige zu nehmen und der die Brüste abzuschneiden wird da nicht passen.

As for warum ich in so definitiven rede: Es ist zum jetzigen Zeitpunkt sehr wahrscheinlich, dsas das Gesetz durchkommen wird da sich die Regierung kürzlich erst auf einen Entwurf (der bis auf die Änderung sexualisierte Gewalt, sexueller Missbrauch wohl dem alten gleich sein soll (definitiv aber Puppen weiter beinhalten soll). Damit ist eine Mehrheit im Parlament sicher. Selbst wenn wir erwarten würden, dass ALLE Oppositionsabgeordneten dagegen Stimmen würden. Was unwahrscheinlich ist, da die AfD (und somit die Größte Oppositionspartei) bereits Unterstützung zu gesagt hat.

Ansonsten ja das Gesetz ist miserabel aber es wird durch kommen ... außer die gesamte Bundestagsbelegschaft stirbt überraschend ... was unwahrscheinlich ist.

Oh und noch was Deutschland hat kein Jury Gericht wie die USA. Wenn du nicht gerade in einer Hauptverhandlung (bei Strafe von 1 Jahr oder mehr) bist ist nicht zu erwarten das du mehr als einen einzigen Richter bekommst. Wenn du eine Hauptverhandlung hast reden wir von 1 - 3 Richtern und 1 - 5 (jungen) Gehilfen. An das Herz des Richters zu appellieren klappt da nur selten. Urteile wie in den USA wo jemand nur aus Mitleid schuldig gesprochen wird sind eher selten.

Rechtlich und auch ethisch würde ich dir allerdings zustimmen es steht auf sehr dünnen Beinen

Caspar Ibichei

Hallo Lu Erker, ich schreibe gerade verschiedene Politiker an, um etwas über die Begründungen dieser Gesetzgebung zu erfahren. Darf ich deine Artikel (ohne Quellennachweis) diesen Schreiben beifügen?

Caspar Ibichei

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