Zeugnis-Tag

Liebe Leser und Leserinnen,

Kann ein Grundschuljunge so traurig sein wegen eines schlechten Zeugnisses? Hier die Geschichte von Felix (Name geändert) und wie es ihm erging.

Es war im Januar und es regnete in Strömen. Ich fror und ging zu einem nahe gelegenen Kaufhaus-Restaurant, um mich mit einem guten Kaffee aufzuwärmen.

Das Restaurant hatte noch eine Stunde geöffnet und ich holte mir einen Kaffee und setzte mich an einen der kleinen Tische. Meine Armbanduhr zeigte 19.00 Uhr an.

Nur noch wenige Menschen waren um diese Uhrzeit da; ein paar Senioren und einige Skatspieler.

Plötzlich sah ich ihn. Ein Junge, ca. 8, mit einem Schulranzen, saß an einem der Tische und malte was auf einen Zeichenblock.

Er sah sehr traurig aus und mich wunderte, was er um diese Zeit noch in dem Kaufhaus-Restaurant wollte. Wo waren seine Eltern?

Sollte ich ihn ansprechen? Vielleicht waren seine Eltern oder ein Elternteil gerade auf dem WC oder in einer Etage des Kaufhauses? Vorsichtshalber wartete ich noch eine Viertelstunde.

15 Minuten vergingen und ich entschied mich den Kleinen Mann anzusprechen. "Hallo, sorry das ich frag, aber bist Du hier ganz alleine? Ist Deine Mama hier im Kaufhaus?"

Mit erschrockenen Augen sah er von seiner Zeichnung (einem Hund) hoch. "Ähm, meine Mama ist daheim." Mir fiel auf, dass er kein Getränk vor sich stehen hatte. "Magst Du einen Kaba", fragte ich ihn? Die haben hier ganz leckeren.

Mit traurige Augen nickte er. Ich holte ihm eine große Tasse der heißen Schokolade. Ich setzte mich zu ihm an den Tisch und bewunderte den kleinen Hund, den er gemalt hatte. "Schöön, so einen hatte ich mal als ich noch zur Grundschule ging", sagte ich. "Ich hab keinen, meine Mama sagt, dass Hunde bloß Dreck machen. Ich bin der Felix, und Du?" Ich nannte meinen Vornamen. Plotzlich fragte er mich: "Du... Hast Du auch früher Angst gehabt als es die Zeugnisse gegeben hat? "Hmm... na ja, ich war immer so schlecht im Rechnen", antwortete ich. "Meine Mutter schimpfte dann und ich durfte für 2 Tage keinen Fernseher anmachen".

Er nickte und äußerte mit tieftrauriger Miene: "Du hast es aber gut gehabt, meine Mama, die haut gleich zu und mein Papa hat mir gedroht: "Wenn Du 'ne einzige 5 hast, brauchste erst gar nicht heim zu kommen" (Das sagte er mit verstellter drohender männlicher Stimme). Tränen standen in seinen Augen. "Felix, was haste denn deinen Eltern gesagt, wo Du bist?" "Bei einem Schulfreund, von dem wissen meine Eltern nicht die Telefonnummer." "Oh, was für eine Lage!", dachte ich. "Was kann ich bloss machen und dem Jungen helfen?"

"Soll ich einfach mit Dir zusammen nachher zu deinen Eltern gehen und mit ihnen reden? Komm, Felix, das war halt mal 'ne 5. Nächstes Mal wird's besser, Junge,okay?" "Ich hab Angst, neeee", weinte der kleine Mann.

Mag jemand diese Geschicht weitererzählen?

Lieber Gruß Angelo

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