In meinem vorletzten Artikel der Reihe "In Dubio Pro Pädo" nahm ich mich einem Artikel des Focus an. Und wieder einmal stoße ich auf einen Focus-Artikel, dieses Mal mit dem Namen "Falsche Kinderliebe (externer Link)". Zugegeben, er ist nun etwas mehr als 10 Jahre alt (hoffentlich schmeißt sich kein kranker Pädo an ihn ran!), aber er wird, wie man sieht, immer noch leicht gefunden, daher sehe ich ihn noch als aktuell genug an, um ihm hier meine (manchmal doch irgendwie sachlichen) Worte zu widmen.
Der Artikel beginnt schon beim Titel mit einer Dreistigkeit, wie ich sie mittlerweile nur noch ermüdend finde. Da ist also eine teleiophile Frau, wie ich annehme. Hat vermutlich in ihrem gesamten Leben noch mit keinem einzigen Pädophilen gesprochen bzw. mit keinem, der ihr als solcher bekannt ist. Denn wegen genau solcher Artikel spricht man darüber eben einfach nicht. Und nun kommt sie an und möchte uns erzählen, dass unsere Gefühle falsch sind? Schaut, ich finde Teleiophilie falsch. "Falsche Erwachsenenliebe".
So, polemisch genug gestartet, dass ich Focus-Ansprüchen genüge? Kriege ich nun eigentlich auch meinen eigenen Artikel im Focus? Super, dann geht es nun weiter. Nach einer kurzen Werbung.

Sie lieben Kinder? Sie wollen ihnen nichts tun, Sie wollen Ihnen nicht an die Wäsche, sie nicht sexuell belästigen, groomen, ihre Seele zerstören oder was wir uns sonst noch vorstellen, was sämtliche Pädophile in nahezu telepathischem Einvernehmen unbedingt, sofort und jetzt auf der Stelle tun wollen, nein... müssen, sondern wollen einfach nur emotionale Nähe durch gemeinsames Spielen... oder gemeinsam verbrachte Zeit im Kino, beim Eisessen oder bei sonstigen Aktivitäten? Oh mein Gott, das ist falsch! Ihre Gefühle sind falsch! SIE sind falsch! Aber kein Problem, Ihre Störung, die ja keine Krankheit ist, so nett sind wir dann doch, ist zwar falsch, aber... Naja, eigentlich kein Aber. Sie sind falsch. So! Begrifen Sie es doch gefälligst endlich!

Das war die Werbung.

Entschuldigen Sie die polemische Werbung. Wir haben leider keine Kontrolle über unsere Triebe.

Sie suchen Spielkameraden. (...)

Ja. Schlimm, oder? Ein Kind erleidet ja auch traumatischen Schaden, wenn ein Pädophiler mit ihm Lego spielt. Oder ein Brettspiel. Oder mit Puppen. Das hat ja wirklich ein nahezu unberechenbares Gefahrenpotential! Der sitzt da auf dem Boden, verbindet die Noppen dänischer Bausteine und kaum hat man erst mit dem Spiel begonnen, ist das Kind traumatisiert. So ein Legospiel mit einem Pädo ist wirklich gefährlich!

In Dubio Pro Pädo

In Dubio Pro Pädo ist die Medienkritik-Kolumne von Ilytul. Journalistische Erzeugnisse, die sich undifferenziert oder gar böswillig gegenüber Pädophile äußern, werden hier analyisert und kritisiert. Aber auch positive Erzeugnisse werden hier analysiert. Solltest Du einen Artikel haben, der Deiner Ansicht nach analysiert gehört, kannst Du Dich hier melden.
Alle Artikel

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In Dubio Pro Pädo | Tutorial: Wie man einen sachlich korrekten Beitrag zum Thema Pädophilie verfasst
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(...) und Sex

Nein. Mehr muss ich dazu eigentlich nicht sagen. Muss ich doch? Nein, muss ich nicht! Weil es so einfach ist: N E I N! So ein "Nein" ist wirklich so gottverdammt einfach und trotzdem will es die Köpfe nicht erreichen. Das sagt sehr viel über die Menschen aus, die es offenbar nicht verstehen wollen. Und Unwissen ist bei Journalisten wirklich kein Argument. Auch 2010 konnte man bereits über dieses Thema gründlich recherchieren. Wenn man gewollt hätte. Aber wofür, wenn man glaub, bereits alles zu wissen?

Und wenn man denkt, nach diesem haarsträubenden Satz kommt einmal kurz eine Pause, wird man direkt eines Besseren belehrt:

Pädophile leiden an einer unheilbaren psychischen Störung.

Wenn Pädophilie eine Krankheit ist, dann Hetero-, Homo und Diverssexualität auch. Aber ist ja anders, oder? Weil da steht man ja auf Kinder und der Rat der teleiophilen Menschen entscheidet demokratisch, dass Pädophile krank sind. Ohne überhaupt mit dem individuellen Menschen geredet zu haben. Und selbst wenn man ihnen nichts tut! Gedanken sind frei, aber nicht so frei, dass sie meiner eigenen Meinung standhalten. Das Recht des Anderen ist immer das Recht, das ich ihm bereit bin zu überlassen. Und das Recht auf reine Liebe (selbst ohne sexuelle Handlung) bin ich nicht bereit zu gewähren. Denn dann müsste ich ja einen Menschen als normal anerkennen, den ich aber nicht als normal anerkennen möchte.

Die Betroffenen sind sexuell auf vorpubertäre Mädchen oder Jungen zwischen fünf und 14 Jahren fixiert.

Bitte was? Wer hat denn den Quatsch erzählt? Die Obergrenze stimmt vielleicht qua Definition, aber faktisch hat sich ein*e Dreizehn- oder Vierzehnjährige*r doch meist schon aus dem Bereich entfernt, den wir noch attraktiv finden. Zumindest, was die reine pädophil ist. Aber wenn man nach Mischformen geht, muss man das Alter unbegrenzt nach oben verschieben. Macht das Sinn? Demnach wären Sie auch pädophil. Gehen Sie bitte jetzt unbedingt zum Psychologen, bevor Sie noch einem Erwachsenen (also Kind) etwas antun!
Die Untergrenze ist auch wieder so ein Quatsch. Dazu muss ich nur meine Diagnose von KTW auspacken, die mich ganz klar als pädo-hebephil einordnet. Mein AoA (Age of Attraction, der ungefähre Altersbereich, den ein Mensch attraktiv findet) siedelt sich nämlich beginnend unter 5 an. Und "Hebephilie" ist deutlich weiter oben. Ist man dann als jemand, der unter Fünfjährige attraktiv findet nichts? Quasi das Schwarze Loch der Sexualitäten? Vielleicht sollte man darüber mal mit einem Physiker reden.

Wie eine pädophile Neigung genau entsteht, haben Wissenschaftler bislang noch nicht herausgefunden. Vielleicht sind die Gene schuld, vielleicht das soziale Umfeld und traumatische Kindheitserfahrungen, vielleicht spielen auch psychologische Faktoren eine Rolle oder eine Kombination aller Komponenten.

Wie eine heterosexuelle Neigung genau entsteht, haben Wissenschaftler bislang noch nicht herausgefunden. Vielleicht sind die Gene schuld, vielleicht das soziale Umfeld und traumatische Kindheitserfahrungen, vielleicht spielen auch psychologische Faktoren eine Rolle oder eine Kombination aller Komponenten. Vielleicht aber auch deswegen, weil bisher niemand auf die dämliche Idee kam, so einen Quatsch echt untersuchen zu wollen.

Die Pädophilie an sich ist zwar eine Krankheit – lebt ein Betroffener seine Bedürfnisse jedoch aus, begeht er eine Straftat.

NA ENDLICH! Warum brauchte es zwei volle Seiten, bis das endlich mal klargestellt wird? Und warum widerspricht dieser Satz jedem einzelnen Satz zuvor?

Und mit diesem Highlight eines atemberaubenden Artikels (er ist wirklich atemberaubend, mir blieb mehrfach vor Unglauben der Atem stehen) gebe ich zurück ins Studio!

2 Kommentare

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jochen

Nachdem ich Deinen Beitrag gelesen habe, war ich sehr gespannt auf den Artikel vom Focus und ich muss sagen, ich war ein wenig enttäuscht ;) Ganz so schlimm wie zunächst vermutet fand ich ihn dann doch nicht, standen doch sogar ein paar wenige korrekte Informationen darin.

Aber ja, eine wirkliche Aufklärungsarbeit sieht anders aus und würde sich denke ich auch nicht zum Großteil nur auf den sexuellen Aspekt konzentrieren. Okay, es wird erwähnt, dass nicht immer (nur) ein sexuelles Interesse vorliegt, aber am Ende reiten sie es doch sehr darauf herum.

Aber wollen wir dem Focus mal zu Gute halten, dass der Artikel ja bereits 10 Jahre alt ist und zu dieser Zeit ja noch niemand wirklich etwas über Pädophile wusste. Bin mir nicht mal sicher, ob es da schon überhaupt Pädophile gab? ;)

ilytul

Die paar richtigen Aussagen, die teilweise an anderer Stelle wieder relativiert werden, machen den Artikel nicht weniger schlecht. Sie erscheinen bloß als Alibi, als würde irgendein Teil des Gewissens beruhigt werden wollen. Aber wirklich um eine vollumfängliche Aufklärung und um den Menschen an sich ging es nicht. Nur um eine weitere Episode "Teleionormativität".

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