Dieser Text wurde ursprünglich am 30. Juni 2020 von Regenbogenfisch auf kinder-im-herzen.net veröffentlicht.
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Was wir von Hermine Granger lernen können

Bei genauem Hinsehen strotzt die Harry Potter-Reihe nur so vor Parallelen zu unserer Situation. Da es einfach zu viele für einen einzelnen Blogbeitrag sind, möchte ich heute mal auf eine bestimmte Begebenheit eingehen und gleich auch ein Beispiel liefern, wie man mit festgefahrenen Vorurteilen, wie es sie auch gegen uns Pädophile gibt, besser umgehen kann.

Auch wenn sich die meisten, die die Harry Potter-Bücher gelesen haben, wohl gewünscht haben, selbst einmal in der Zaubererwelt leben zu können, ist auch diese Welt alles andere als perfekt. Vorurteile und Diskriminierung von Andersartigen sind auch hier an der Tagesordnung. Im vierten Teil „Harry Potter und der Feuerkelch“ etwa wird bekannt, dass Hagrid ein Halbriese ist, nachdem die Journalistin Rita Kimmkorn ein Gespräch zwischen ihm und Madame Maxime belauscht hatte. In ihrem Zeitungsartikel bezeichnet sie Hagrid, unterfüttert von erfundenen Geschichten der Slytherins um Draco Malfoy als „Gefahr für Harry Potter und seine Mitschüler“ und Riesen generell als „blutrünstig und gewalttätig“. Und das ohne dass Hagrid jemals einem Schüler etwas getan hätte. Er erhält nach Erscheinen dieses Artikels sogar Briefe mit Inhalten wie „Du bist ein Monster und man sollte dich erlegen“. Ähnliche Reaktionen könnte man wohl auch erwarten, wenn man sich in unserer Welt als pädophil outen würde bzw. unfreiwillig geoutet werden würde. Sogar Ron, der schon lange mit Hagrid befreundet ist, reagiert geschockt. Ganz anders ist jedoch Hermines Reaktion, die mich, als ich das Buch zum ersten Mal nachdem ich mir meiner Neigung bewusst geworden bin, gelesen habe, sehr beeindruckt hat.

[...] was soll die ganze Aufregung um die Riesen. Sie können doch nicht alle schrecklich sein [...] die Leute sind einfach viel zu engstirnig.

Hermine tut genau das, was ich mir von vielen Menschen auch wünschen würde. Sie hinterfragt die Vorurteile, die in der Gesellschaft verankert sind. Sie beurteilt Menschen (oder Riesen) nicht einfach nach Merkmalen, für die sie nichts können und erkennt, dass weder alle Menschen, noch alle Halbriesen und Riesen gleich sind und es sowohl gute als auch schlechte unter ihnen gibt. Und genau das wünsche ich mir doch auch. Dass ich nicht nach meiner sexuellen Neigung, für die ich nichts kann, beurteilt werde, sondern nach meinem Handeln.

Auch später, als Madame Maxime aufgrund der Tatsache, dass sie eine Halbriesin ist (was sie zu dem Zeitpunkt noch nicht zugeben will), verdächtigt wird, den Leiter der Abteilung für Internationale Magische Zusammenarbeit, Barty Crouch angegriffen zu haben (was sie nebenbei bemerkt nicht hat), gibt Hermine eine sehr interessante und auf unsere Situation übertragbare Aussage von sich:

Sieh dir doch an, was Hagrid passiert ist, als Rita rausfand, wer seine Mutter ist. Und überleg mal, wie schnell Fudge (der Zaubereiminister, Anm.) Madame Maxime verdächtigt, nur weil sie etwas von einer Riesin hat. Wer braucht diese Vorurteile? Wahrscheinlich würde ich selbst behaupten, ich hätte große Knochen, wenn ich wüsste, was ich mir einhandle, wenn ich die Wahrheit sage.

Während früher Hermine vor allem deshalb meine Lieblingsfigur aus Harry Potter war, weil ich Emma Watson in den Verfilmungen sehr hübsch fand, schätze ich ihre Figur inzwischen vor allem für ihre fortschrittlichen Ansichten, ihren ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und ihre Fähigkeit, Vorurteile nicht einfach zu übernehmen, sondern sie kritisch zu hinterfragen. Und jeder, der wie ich der Meinung ist, dass das gute Eigenschaften sind, der sollte sich fragen, wieso Pädophile denn eigentlich so schlimm sein sollen, wenn sie, so wie wir auf diesem Blog, Sex mit Kindern grundsätzlich ablehnen und auch noch nie einem Kind etwas angetan haben.