Es gibt so Artikel über Pädophilie, da weiß man gar nicht, wo man anfangen soll mit der Kritik. Und da diese Artikel nicht gerade selten sind, präsentiere ich Euch heute ein Tutorial für alle Medientreibenden, die unerwarteterweise doch Bock auf richtige Recherche haben, anhand eines Erklär-Artikels auf lesering.de:

1. Definition
Da Sie ja gut recherchiert haben, erwähnen Sie nun die emotionale Seite genauso wie die sexuelle. Viele Journalisten ignorieren an dieser Stelle die emotionale Seite oder verleugnen sie sogar. Und da die Pädophilie als sexuelle Orientierung eben nur diese beiden Elemente beinhaltet, erwähnen Sie ebenfalls nicht die völlig an den Haaren herbeigezogenen Störungen oder Krankheiten, die von an Ihre Seriosität niemals herankommenden Journalisten, absurderweise ständig mit der pädophilen Orientierung in Verbindung gebracht werden.

„Pädophilie“ beschreibt wiederkehrende, stark sexuell anregende Zwänge, Fantasien oder Verhaltensweisen unter Einbeziehung von Kindern


„Pädophilie“ beschreibt wiederkehrende, stark sexuell anregende Fantasien mit Kindern genauso wie die emotionale Verbundenheit mit ihnen.

Es mag Pädophile mit Zwängen geben. Doch gibt es auch Heterosexuelle mit Zwängen. Das sind einfach zwei Paar Schuhe, die in Kombination auftreten können, aber nicht müssen. Und bei niemandem mit der sexuellen Orientierung in Verbindung gebracht werden. Warum auch?

In Dubio Pro Pädo

In Dubio Pro Pädo ist die Medienkritik-Kolumne von Ilytul. Journalistische Erzeugnisse, die sich undifferenziert oder gar böswillig gegenüber Pädophile äußern, werden hier analyisert und kritisiert. Aber auch positive Erzeugnisse werden hier analysiert. Solltest Du einen Artikel haben, der Deiner Ansicht nach analysiert gehört, kannst Du Dich hier melden.
Alle Artikel

In Dubio Pro Pädo | Focus über Pädophile
In Dubio Pro Pädo | Tutorial: Wie man einen sachlich korrekten Beitrag zum Thema Pädophilie verfasst
In Dubio Pro Pädo | Zeitreise Spezial: Falsche Erwachsenenliebe
In Dubio Pro Pädo | Wahrheitsgehalt-steigerndes Medikament Framenix wirkt gegen Framing-Störung
In Dubio Pro Pädo | Ich hatte es ja schon gar nicht mehr erwartet
In Dubio Pro Pädo | Wertvolle Diskriminierung

2. Einordnung
Manche Journalisten behaupten nun, die Pädophilie sei wahlweise eine Krankheit, Störung oder auch Perversion. Sie als gewissenhafter, Minderheiten nicht stigmatisierender Journalist hingegen ordnen sie als sexuelle Orientierung oder Neigung ein. Und als wäre das nicht schon genug, behaupten Sie auch nicht, dass nur Pädosexuelle, also Täter, die Orientierung für sich als solche bezeichnen. Wenn Ihnen jemand nicht glaubt, dass auch nicht-übergriffige Pädophile ihre Neigung als normale sexuelle Orientierung betrachten können, referenzieren Sie einfach dieses unglaubliche Wesen aus einer fantastischen Welt, das diesen Text hier geschrieben hat.

Richtet sich die pädophile Störung an Kinder unter drei Jahren, spricht man von Infantophilie. (…) Pädosexuelle Personen sehen in dem Begriff selbst eher eine klare sexuelle Neigung, wie es Bi-, Homo- oder Heterosexualität sind.


Richtet sich die Pädophilie an Kinder unter drei Jahren, spricht man von Infantophilie. (…) Pädophile Personen sehen in dem Begriff selbst eher eine klare sexuelle Neigung, wie es Bi-, Homo- oder Heterosexualität sind.

3. Fokus
Ich weiß, es wirkt naheliegend, den Fokus auch oder sogar überwiegend auf pädosexuelle Straftaten zu legen. Die Gesellschaft verlangt eben nach Bestätigung ihrer Vorurteile. Dabei ist es für jeden Journalisten mit Moralvorstellungen ein No Go, unschuldige Menschen zu framen, indem die ewig gleiche Assoziation geweckt wird.
Ganz verleumdend wird es dann, wenn der überwiegende Fokus auf den sexuellen Missbrauch gelegt wird. Ohnehin wird man so einem wichtigen Thema wie dem des sexuellen Missbrauchs von Kindern nur gerecht, wenn ihm nicht 1/4, nicht 3/4, sondern 4/4 des Textes gewidmet wird, genauso wie man es ja bei anderen Themen auch tut. Die Kinder danken es Euch, die Pädos und jeder Leser, der gut recherchierte Inhalte lesen und nicht etwas über X hören will, während eigentlich über Y geredet wird, weil statt eines sorgfältig recherchierenden Journalisten seine Vorurteile den Artikel verfassten.

Kinder reagieren laut einer Studie des Psychoanalytikers Gerd Rudolf unterschiedlich auf sexuellen Missbrauch. Einige erleiden traumatische Folgen, wobei der Begriff „Traumatisierierung“, sagt Rudolf, differenziert betrachtet werden muss. Ebenso sei die Zuschreibung einer „Opferidentität“ ungerechtfertigt und für einen therapeutischen Verlauf kontraproduktiv.⁹ Betroffene Kinder fühlen sich häufig wertlos und schuldig. Mögliche Folgen können aggressives Verhalten, das Vermeiden von Beziehungen, Suchtprobleme, Depressionen, Selbstbestrafungstendenzen und viele weitere sein.

Aber Sie als seriöser Nicht-Boulevard-Journalist haben damit ja kein Problem. Genauso wenig wie mit der Differenzierung zwischen sexueller Orientierung und Straftat (die im Übrigen nicht einmal nötig ist, siehe oben. Sehen Sie, man kann sich Arbeit sparen, aber trotzdem Minderheiten nicht framen. Yay!):

Im §176 des StGBs in Deutschland ist Pädophilie unter sexuellem Missbrauch an Kindern geregelt.


Im §176 des StGBs in Deutschland ist sexueller Missbrauch an Kindern geregelt.

Im Übrigen geht es nicht in meinen Schädel, wie man im selben Artikel noch ganz generös eine Differenzierung tätigt, aber dann im späteren Verlauf wieder beides vermischt. Wirklich, ich verstehe es nicht.

4. Fazit
Ich weiß, es nimmt Zeit, sich über komplizierte Sachverhalte umfassend zu informieren. Dazu ist es natürlich doof, wenn man schon ein gefestigtes Bild hat. Dann hat man noch eine Deadline, zu der der Artikel veröffentlicht werden soll. Aber Sie sollten sich immer im Klaren darüber sein, dass es hier um Menschen geht. Menschen aus Fleisch und Blut, Menschen mit Gefühlen, Menschen, die tagtäglich durch eine solche tendenziöse Berichterstattung mit sich kämpfen, sich hassen, Menschen, die sich tagtäglich verstecken müssen, obwohl sie keinerlei Intentionen oder Gefährdungen haben, jemals zum Täter zu werden. Warum das so ist? Weil sehr viele Journalisten keinen Bock auf einen sachlich korrekten Bericht haben oder aus anderen bereits genannten Gründen. Aber zu denen gehören Sie zum Glück ja nicht.


[Update: 12.02.2020]
Beim nochmaligen Lesen ist mir aufgefallen, dass der Teil "Fokus" zu fatalen Missverständnissen führen könnte. Daher habe ich ihn umformuliert, sodass der Sinn nun besser verständlich wird. Ich bitte um Verständnis und Entschuldigung, falls diese Missverständnisse aufgetaucht sind.

5 Kommentare

Hinweis: um Missbrauch vorzubeugen, werden Kommentare von uns überprüft und manuell freigeschaltet. Neue Kommentare erscheinen deshalb nicht sofort.

Sirius

Gut geschrieben, und konstruktiver als ich es gemacht hätte… :D

Zu den Punkten:

  1. Pädophilie ist genauso ein Zwang wie Heterosexualität. Wenn man sich dagegen wehrt, kann man es natürlich schnell zwanghaft erleben – die Gedanken gehen eben nicht weg, auch wenn man sie nicht will. Aber Pädophilie als "Zwang" zu definieren ist dennoch absurd. Ich finde es auch wichtig, dass du den emotionalen Aspekt mit einbringst, der kommt in den gängigen Definitionen immer noch viel zu kurz.
  2. "Pädosexuelle Personen sehen in dem Begriff selbst eher eine klare sexuelle Neigung" – was für ein Schock, Pädophile wollen tatsächlich ein Mitspracherecht darin haben, wie sie ihre eigene Identität definieren wollen!!! :O
  3. Jeder Artikel über Missbrauch muss irgendwie Pädophilie erwähnen, und jeder Beitrag über Pädophilie hat immer auch was über Missbrauch zu sagen. Ich verlange hiermit, dass über Heterosexualität und Vergewaltigungen bitte auch genauso geschrieben wird.

Wir sollten ganz dringend mal Richtlinien für Journalisten erarbeiten und öffentlich stellen.

Zidane

Auch hier stellt sich mir die selbe Frage. Eine Neigung, die ich ausleben kann, ist normal. Aber eine Neigung, die ich nicht ausleben kann, weil sie Schaden anrichtet, kann nur eine Störung sein. Und in euren Augen ist der Sex zwischen Erwachsenen und Kindern schädlich ...

Sirius

Was genau möchtest du damit aussagen: dass unsere Neigung krank/unnormal/gestört ist, oder dass Sex zwischen Erwachsenen und Kindern nicht schädlich ist?

Max Weber

@Zidane Nein, dem möchte ich klar widersprechen: man könnte es so sehen mit der Störung aber eine sexuelle Präferenz beinhaltet mehr als das, was bei unsereins nicht auszuleben geht. Außerdem wage ich zu behaupten eine STÖRUNG könne nur genannt werden, was jemand stört. Sexueller Missbrauch, wie jede andere Gewalt, „stört“ zumindest die Opfer dieser Gewalt. Außerdem gibt es viele Täter, die die eigene Tat auch „stört“, sodass sie Hilfe suchen um nicht wieder Taten zu begehen, was lobenswert ist. Wenn aber keine Tat da ist, wen stört die Neigung dann?

Sie stört vorurteilsbehaftete Leute und Pädophile selbst, die mit der Neigung nicht klarkommen. Die unter Selbsthass und anderen möglichen Folgen der Stigmatisierung leiden. Für die meisten löst sich dieses Leid jedoch auf und ist heilbar, sobald sie die Präferenz zu akzeptieren schaffen und soweit ein stabiles Leben zu führen schaffen. Wen stört die „Störung“ dann noch?

Niemand, und damit gehört ihr auch kein Störungscharakter mehr.

Ansonsten könnte eine Störung nur noch Störung sein, wenn man damit sagen will, die Person oder deren Eigenschaften (um die es geht) seien PER SE „gestört“. Also die Neigung oder Präferenz an sich sei „gestört“ im Vergleich zum Ottonormalverbraucher oder einer von einer höheren Instanz vorgegebenen Norm. Darüber kann man sich vermutlich sehr streiten. Ich denke: was keinen Schaden verursacht kann keine „Störung“ sein sondern nur eine Normvariante. Wie es andere Sexualitäten ja sind.

ilytul

@Zidane Wenn wir bei Deinem Beispiel bleiben, wäre die Fähigkeit, eine solche Tat zu begehen, eine Störung. Dem würde ich ohne Umschweife zustimmen. Aber die pädophile Neigung an sich nicht, denn sie ist ja kein Ausleben. Das ist übrigens das, was ich mit diesem Artikel aussagen möchte: Sobald man die Neigung an sich im Kopf hat, hat man fast schon zwangsläufig auch die Tat im Kopf. Und genau das ist falsch. Das sind zwei unterschiedliche Dinge: Das Eine ist eine normale sexuelle Neigung / Orientierung, das Andere eine Tat einer Person, die allen Ernstes denkt, so handeln zu dürfen.

Vorheriger Beitrag Nächster Beitrag