Es gibt diesen Ausdruck: Nicht ohne uns über uns. Und ich halte ihn für enorm wichtig. Er ist in vielen Bereichen mittlerweile Standard, denn man möchte den Betroffenen auch Gehör verschaffen.
Artikel über Pädophile sind zwar auch immer öfter unter Mitwirkung selbst Betroffener entstanden, das auch erst einmal ziemlich gut und ein Fortschritt im Vergleich zu früher ist. Leider hat sich allerdings ein ungeschriebenes Gesetz entwickelt, nach dem unsere Aussagen niemals für sich stehen dürfen. Zu diesem Zwecke werden dann Wissenschaftler*innen eingeladen, die noch nicht einmal unbedingt grundlegende Definitionen und Basics kennen müssen, die zudem noch vielleicht nur mit Straftätern arbeiten und in ihrer eigenen Selection-Bias-Ich-habe-eigentlich-noch-nie-mit-pädophilen-Nichtstraftätern-ein-Wort-gewechselt-Filterblase leben, um am Ende vor Leser*innen, Zuschauer*innen und Zuhörer*innen bewerten zu dürfen, was Aussagen von Pädophilen, die dabei aber nicht unbedingt auch Straftäter*innen sien müssen, eigentlich wert seien. Ich habe noch kein Medienerzeugnis erlebt, dessen Autoren*innen diese Herangehensweise reflektiert und ein Novum etabliert haben. Man muss sich mal vorstellen, das würde bei Berichten über andere Personengruppen gemacht. Dann würde aber die Hütte brennen.

Dabei muss natürlich gesagt werden, dass die direkt verantwortlichen Journalisten*innen vielleicht auch nicht unbedingt so vorgehen wollten. ich habe schon erlebt, dass diese Vorgehensweise eine Vorgabe des Chefredakteurs war, der sich absichern wollte oder eben auch, der Klassiker, weil er uns eigentlich misstraut.

Egal, was nun dahinter steckt, ob es ein tief empfundenes Misstrauen gegenüber uns ist oder die Angst vor den Konsequenzen, egal, wer nun letztendlich dafür verantwortlich war, am Ende bleibt nur die Respektlosigkeit gegenüber uns Betroffenen und die Konservierung des gesellschaftlichen Misstrauens der Medien-Konsumenten*innen.

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