Für die Ewigkeit

„Fang mich doch, du Eierloch!“, ruft Finn lachend.
„Und wie ich das tu“, grinse ich ihm hinterher.
Es sind gerade die schönsten Minuten meines Lebens. Diese Zeit miteinander, in der es nur ihn und mich gibt, wo wir Räuber und Gendarm, diese Zeit, in der wir Verstecken spielen oder eben, wie heute, Fangen. Eigentlich bin ich viel zu langsam für ihn, ich werde ihn nicht fangen. Aber das ist doch eigentlich egal, oder? Ich bin nicht hier, um zu gewinnen, sondern um eine schöne Zeit mit ihm zu verbringen. Diese Zeit, die wir viel zu selten haben.
Viel zu selten hüpfen wir hier über diese grüne Wiese an diesem wunderschönen Spätsommertag. Es ist nicht zu warm, aber auch nicht zu kalt.
Während ich ihn vergeblich versuche zu fangen, bleiben meine Augen an ihm kleben. Ich beobachte wie seine dunkelblonden, fast schon braunen Haare beim Rennen durch den Wind gleiten. Dabei glänzen seine wunderschönen blauen Augen durch die Sonne. Ich gebe angestrengt auf. Das ist der Moment, in dem ich den verdienten Sieger in der Kategorie „flinkste Beine“ auszeichne. Sein Lachen ist bezaubernd.
Erschöpft setzen wir uns auf die Wiese und reden. Ich packe zwei Eis am Stiel aus: Schoko für mich und Himbeere für ihn. Er liebt Himbeeren. Er sagt, die sähen so lustig aus.

Ich träumte jeden Tag davon, mit ihm den Rest meines Lebens zu verbringen. In seine kindliche Lebenswelt einzutauchen, dabei endlich zu erfahren, was es bedeutet, Kind sein zu dürfen, ohne Sorgen, ohne Ängste, ohne diesen zermürbenden Schmerz, der mich nun schon seit der Grundschule verfolgt.

Nun stehe ich hier in der Fußgängerzone, nachdem ich eigentlich einkaufen wollte. Ich sehe ihn zwar aus der Ferne, aber nah genug, um einzelne Wortfetzen zu verstehen. Er setzt sich mit seinen Freunden auf eine Mauer und erstarrt folge ich seinen Worten: „Ey, lass am Wochenende saufen“

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