Etwas Hoffnung

Bis 2003 war ich jemand der viele schlimme Dinge durchgemacht hatte, und sich dadurch unwissentlich auf einen Stand eingefrorenen hat, der in seiner Kindergartenzeit lag. Da hatte ich zwei Freunde und war zwar traurig, aber glücklich mit ihnen zusammen zu sein. Das war die einzige Zeit an die ich mich erinnern kann in der ich mich wohl gefühlt habe.

Das und die Feiertage im Jahr. An denen hat meine Familie versucht mal nicht bösartig zu mir zu sein und es war so eine Art Waffenstillstand auf dem Schlachtfeld Familie. Darum habe ich in meinem Leben immer versucht eine Art tägliche Feiertagsstimmung aufrecht zu erhalten. Musik, Kerzen, gutes Essen, Spaß und Spiel und das alles mit netten Leuten um mich herum - die fanden das natürlich auch gut.

Und mit wem geht das am besten? Eigentlich mit Kindern. Darum waren sie für mich immer erste Wahl wenn es um Freundschaften ging. Das ist auch bis heute die einzige Motivation mit ihnen zusammen zu sein: Spass, Fantasie und gegenseitige Geborgenheit.

Ich habe immer wenig Realität an mich herangelassen, weil die mich meist noch trauriger gemacht hat als ich schon war.

2003 eben wurde diese Welt erschüttert. Ich habe auf einmal gemerkt, dass meine erwachsenen Freunde alle böse Menschen waren: Sie haben Kinder missbraucht. Danach war ich plötzlich in allem unsicher und hab diese "Freundschaften", die dann keine mehr waren, alle nach und nach abgebrochen - zum Teil auf sehr harte, aber immer gerechtfertigte Art.

Dann war ich allein. Ich war von meinen kleinen Freunden getrennt und wollte auch keine großen mehr haben weil ich denen halt nicht vertrauen konnte. Das ging im Prinzip von 2006 bis heute so...und es hat mir nicht gut getan.

Es gab einen Versuch das zu unterbrechen. Ich bin mal wieder Sport machen und auch Karten spielen gegangen.

Beim Fußballspielen habe ich einen Jungen kennen gelernt, da hat man sofort gemerkt was für eine erstaunliche Persönlichkeit er hat. Wie ein Schmetterling der von Blume zu Blume fliegt und sich jede mal anschaut. Zu mir ist er halt auch geflogen gekommen und hat mich gefragt ob wir auf den Spielplatz gehen der gleich nebenan war. Ich sagte ihm: "Da musst du deine Mama fragen." Er hat mich aber gleich an die Hand genommen und mich mit rübergezogen.

Seine Mutter war eine, ich schätze Mittdreißigerin und gerade am telefonieren. Sie unterbrach das Telefonat und schaute uns an. Ich fragte sie ob es okay ist das ich Zeit mir ihrem Sohn verbringe und sie schaute mich an als ob sie die Frage nicht versteht. Daraufhin meinte sie das wäre doch die Entscheidung ihres Jungen da mische sie sich nicht ein. Außerdem könne sie uns doch sehen und somit wäre alles in Ordnung.

Wir sind dann auf alles drauf gestiegen was da so war obwohl ich vor vielen Sachen echt Angst hatte weil ich kein Gleichgewichtsgefühl habe. Aber bei seiner Art hatte ich keine Chance nein zu sagen. Sprich, der Kleine hat mir sogar geholfen meine Ängste anzugehen. Das lief dann bis es dunkel wurde und wir haben uns tschüss gesagt...Es war ein super Tag.

Ein paar Tage später hab ich ihn dann im Supermarkt getroffen und er ist sofort zu mir gekommen. Diesmal war der Vater dabei und da wurde mir auch klar warum der Junge so ist wie er ist.

Der Mann war etwa so alt wie ich und ein totaler Sunnyboy, wir waren sofort im Gespräch, ein toller Mensch. Nach einer Weile hat der Junge dann gefragt ob sie mich mit Nachhause nehmen können. Ich dachte nur "Ja bitte, Ja bitte"... Die Eltern lebten in Scheidung, das wäre ein toller Männerabend geworden. Aber mir war schon klar, dass das nichts wird. Der Vater sah das natürlich als eine Art Grenzüberschreitung seines Sohnes auf mich bezogen und hat ihm gesagt, dass es nicht geht und ich habe da auch nichts eingewendet.

Das war das letzte Mal, dass ich den Jungen gesehen habe und ich vermisse ihn schon, allerdings haben hier Kinder auch einen krassen Terminplan was die Schulzeit angeht: Sport im Verein, Nachhilfe, Musikunterricht usw. usw. Da bleibt eigentlich nur das Wochenende und da habe ich normalerweise zu tun.

Sei es wie es ist, die Mutter und auch den Vater fand ich erstaunlich - das hat mir auch nochmal Hoffnung geben. Wenn ich mir nun vorstelle, dass der Junge einen Pädokrimellen kennenlernt und der die Chance für sich ausnutzt, das wäre richtig schlimm für mich.

Das war einer der wenigen magischen Momente in den letzten Jahren, eben weil ich mich total isolieren musste und mittlerweile auch echte Probleme habe überhaupt noch unter Menschen zu gehen.

1 Kommentar

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ilytul

Hallo Buzz, es ist schön zu lesen, dass Du so viel Freude mit ihm hattest und er auch mit Dir, weswegen es auch gleichzeitig so traurig ist, dass ihr keinen Kontakt mehr habt. :( Ich bin aber ziemlich sicher, dass Du nochmal eine Chance bekommen wirst, einen tollen Jungen kennenzulernen, dem Du auch kontinuierlich ein guter Freund sein kannst. Manchmal kommt es sehr unerwartet.

Zu Deinen erwachsenen Freunden von damals: Es tut mir wirklich leid, dass es so gelaufen ist. Ich habe etwas Ähnliches erlebt. Nicht so krass wie bei Dir, ohne Frage, und heute bin ich auch darüber hinweg, aber doch ähnlich deprimierend. Ich hoffe, dass Du mittlerweile Kontakt zu Menschen hast, die den Begriff Pädophile ("Kinderliebende") auch wirklich verdient haben.

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