Dieser Text wurde ursprünglich am 7. März 2021 von Lu Erker auf kinder-im-herzen.net veröffentlicht.
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Ein schwerer Abschied

Wie einige die mir schon etwas länger folgen eventuell mitbekommen haben, war ich bis zum Start der Anti-Puppen-Kampagne sehr still auf Twitter. Und für die, die es nicht tun, ja vor dem Gesetz hatte ich einen Account mit, wenn es hoch kommt, 30 Tweets. Heute habe ich einen 2. und mehr als 1000. Bis zu diesem Gesetzesentwurf habe ich mich rausgehalten und die Allgemeinheit machen lassen. Die Regelungen betrafen mich nicht besonders und ich war mit ihnen im großen und ganzen einverstanden. Ich habe Deutschland, die Regierung und diese Regelungen sogar mehrmals verteidigt.

Das änderte sich mit dem Gesetzesentwurf. Seit ca. 5 Jahren habe ich den Wunsch mir eine Puppe mit kindlichen Zügen zu holen. Aufgrund von finanziellen aber auch räumlichen Gründen habe ich das jedoch nie getan. Zu gewissen Zeiten war der Plan mir irgendwann eine solche Puppe zu holen mein großes Ziel, in gewisser Weise der Faden der mich am Leben hielt. Dieser Faden ist nun gerissen. Ich habe über dieses Hobby eine Menge Freunde und Bekannte getroffen. Fotografen, wahrliche Künstler welche immer aufs neue ihre kleinen Freundinnen abbilden und ihre Persönlichkeiten in einer einzigartigen Art und Weise herausstellen.

Der Discord-Channel über den der Kontakt ablief hat hierbei alleine zwei Channel nur für die Vorstellung und Hintergrundgeschichten zu den Puppen. Außerdem diverse Channel für gewöhnliche Fotos und Themenwettbewerbe. Bei letzterem handelt es sich um Motivideen zu denen alle mit einer Puppe ein Foto machen und dieses dann online stellen - wer die meisten Votes bekommt gewinnt.

Die resultierenden Fotos sind jedes mal erstaunlich. Seien es die süßen Abenteuer der kleinen Chibis im Garten, die neuesten Modeling Sessions von bekannten Puppen, wie immer in den typischen Jeans. Dem alltäglichen Chaos bei einigen der Besitzer von Unmengen an Puppen. Das alljährlich immer größer werdende Familienfoto einer Person dort oder die maßgeschneiderten Klamotten. Die neuesten Tattoos und Verzierungen an der kleinen Puppe unser Quotenfrau oder auch die bis ins kleinste Detail durchgeplanten und positionierten Fotosets eines bestimmten Mitglieds.

Für viele dort ist die Persönlichkeit der Puppe ein immens wichtiger Teil des Ganzen. Sie ist ausgearbeitet, stellenweise über Jahre hinweg mit eigenen Geschichten, bis hin zu eigenen Moralvorstellungen. Ob Schüchtern, frech, neugierig, neunmal klug oder aufbrausend. Mit eigenen Problemen, Vorlieben und Wünschen. Einer vollumfänglichen eigenen Persönlichkeit eben. Und die “Besitzer” … welche den Begriff hassen, aber es fehlt mir leider an einem anderen Wort, sorgen für sie. Nichts ist für sie schlimmer als der Gedanke, dass ihren Puppen etwas geschehen könnte. Flecken und Risse sind Weltuntergänge und müssen sofort behandelt werden.

Eine solch lange, innige Verbundenheit zu dieser Gruppe aufgeben zu müssen, schmerzt. Eine Hoffnung die einst der Grund für das Weitermachen, für das Aufstehen am Morgen und das Schuften bis in die Nacht war, ebenso. Diese Erinnerungen, die Freundschaft zu den Personen, klein wie auch groß, zu dieser rein virtuellen großen Familie, werde ich nie vergessen. Doch dieses Gesetz zwingt mich die Verbindung zu trennen. Den Traum aufzugeben. Beim Schreiben dieser Passage kommen mir die Tränen. Und ich will ehrlich sein, bevor ich angefangen habe mich gegen dieses Gesetz zu wehren wollte ich aufgeben. Doch ich werde weiter machen für ein Ende dieses Gesetzes. Oder bis ich mein Ende finde. Wollen wir hoffen, dass erstes früher Eintritt.