Als ich vor ein paar Tagen mal wieder aus Langeweile auf Instagram herumgescrollt habe, wurde mir ein Post angezeigt, der in etwa folgenden Wortlaut hatte:
Wenn du Personen, die gerade erst 18 sind, attraktiv findest, bist du eine Gefahr.
In den Kommentaren überwiegende Zustimmung. Ein Kommentar verwies sogar auf Kein Täter Werden, obwohl der Post ja nichts mit Pädophilie zu tun hatte.
Und es war bei weitem nicht der erste Post mit einer derartigen Aussage, der mir angezeigt wurde. Gerade im Rahmen der Epstein Files scheinen sich solche Ansichten extrem verbreitet zu haben.
Dabei besteht die "Logik" hinter diesem Post aus nicht nur einer, sondern zwei Falschannahmen, nämlich:
- dass jemand, der auf Personen steht, mit denen sexuelle Handlungen gerade erst legal sind (dass das tatsächliche Schutzalter in Deutschland bei 14 Jahren liegt, lasse ich hier mal außer acht), eigentlich keine Untergrenze kenne und am liebsten sexuelle Handlungen mit Personen eingehen würde, die noch viel jünger sind. Dadurch wird jemand, der auf junge Erwachsene oder ggf. spätpubertäre Jugendliche steht, gedanklich "zum Pädo gemacht."
- dass solch eine sexuelle Neigung direkt zu Handlungen führe.
Einerseits ist zwar gerade Punkt 2 nichts neues für Pädophile - die Gleichsetzung von Pädophilie und Missbrauch ist leider immer noch gang und gäbe.
Andererseits wurden die beiden Themen im oben genannten Post ja nicht mal direkt gleichgesetzt; es wird sogar explizit gesagt, dass das Problem bereits sei, eine jüngere Person nur attraktiv zu finden. Vielmehr wird impliziert, dass diese Gefühle zwingend dazu führen, auch konkret sexuelle Handlungen mit Jugendlichen bzw. Kindern zu planen.
Ein Unterschied, der eigentlich jedem klar sein sollte
Nehmen wir mal ein ganz alltägliches Beispiel.
Ein hetero-teleiophiler Mann, der z. B. im Bus oder auf der Straße eine Frau sieht, die er sehr attraktiv findet, wird im Normalfall nicht direkt zu ihr hingehen und sie nach Sex fragen. Vielleicht wird er sich später zu Gedanken an diese Frau selbst befriedigen, vielleicht hat er sie bis zum Ende des Tages aber auch schon längst wieder vergessen.
Ich nutze in diesem Kontext gerne die Begriffe Bedürfniswunsch und Handlungswunsch, um den Unterschied zu verdeutlichen. Im Grunde sind diese beiden Begriffe nichts anderes als zwei verschiedene Definitionen des Wortes "wollen".
Der oben genannte Mann empfindet einen Bedürfniswunsch nach Sex mit dieser Frau. In diesem Sinne kann man sagen, dass er Sex mit dieser Frau haben will.
Diesen Bedürfniswunsch kann er nicht aktiv beeinflussen, er ist vielmehr ein natürlicher Teil seiner Sexualität.
Er weiß jedoch, dass es unangebracht wäre, diesem Bedürfniswunsch zu folgen, da er diese Frau nicht belästigen möchte. Womöglich ist sie auch eh schon vergeben. Er nimmt sich also vor, der Frau gegenüber nicht nach seinem Bedürfnis zu handeln. In diesem Sinne will er also keinen Sex mit dieser Frau haben. Er hat keinen Handlungswunsch.
Bei Pädophilen ist das auch nicht anders. Dadurch, dass ich als pädophiler Mann Kinder sexuell attraktiv finden kann, entwickelt sich auch ein Bedürfniswunsch nach Sexualität mit Kindern, die ich attraktiv finde. Diese Kinder tauchen in meinen sexuellen Fantasien auf. Das kann ich auch nicht ändern, diese Fantasien gehören eben zum pädophil sein dazu.
Gleichzeitig weiß ich aber, dass ich Kindern schaden würde, wenn ich tatsächlich sexuelle Handlungen mit ihnen vornehmen würde. Darum habe ich als Anti-Contacter überhaupt kein Interesse daran, dies in die Tat umzusetzen - oder in anderen Worten: ich habe keinen Handlungswunsch nach Sex mit Kindern.